13.02.2015, Rennen 1 + 2

LimeRock Park

Mike Roller

Lime Rock Park nahe Lakeville, gut 157 Meilen von Boston, USA, entfernt. Die Sonne scheint, leichte Schäfchenwolken am Himmel, die Vögel zwitschern. Darunter die nordamerikanische Wilsonbekassine (Gallinago delicata), eine sehr langschnäblige mittelgroße Art aus der Familie der Schnepfenvögel, die für ihre Sturzflugeigenschaften bekannt ist. Rasant jagt sie dem Erdboden entgegen und hinterlässt dabei eine unschöne Hinterlassenschaft aus dem Darmtrakt auf dem frisch poliertem Lack einer 1968er Plymouth Barracuda. Sanft lässt sich der Vogel auf einen Baum nieder und stimmt einen ornitho - logischen Liebesreigen an, bestehend aus langen, zweisilbigen Lauten. Ein wuchtig geworfener Schraubenschlüssel (Chrom-Vanadium, 28`` und 32``, Mannesmann) fügt diesen errregten Balzgeräuschen ein finales (und letales) "Pok" hinzu, auf das eine vielsagende Stille folgt.....die TransAm ist zurück!

Der Rennkurs von Lime Rock Park wurde 1956 vom Sohn des Landbesitzers, Jim Vaill, mit Hilfe von John Fitch ins Leben gerufen. 1,5 Meilen Berg und Talfahrt, sehr anspruchsvoll, aber damals schon nach hohen Sicherheitsstandards gezeichnet, bietet alles, was ein gerne driftender V8-Bolide braucht. Auslaufzonen, weite Kurven, enge Kurvenpassagen, eine lange Gerade. Fantasievolle Namen wie Big Bend, Lefthander, Righthander oder No Name Straight sagen eigentlich alles über die dortigen Bewohner. Pragmatiker halt.

Die ersten beiden Läufe dieser Saison bieten den Fahrern der GTL-Racersleague die Chance, sich nach längerer Abstinenz wieder mit den schlingernden Dickschiffen vertraut zu machen. Rennlegenden wie BOSS Mustang, Baracuda, Camaro oder Cougar lassen nicht nur beim Start der Motoren die Nackenhaare hochstehen. Auch das Fahrerfeld ist hochkarätig. Sebastian Gerhart, Robert Schauderna, Markus Gerzak oder Stefan Möbus bedürfen keiner weiteren Erläuterung. Oliver Kilian, Robert Kruppert und Lars Kuhlmann zählen schon zu den Urgesteinen dieser Serie. Selbst Stars wie Gert Ackermann und Tobias Dede geben sich die Ehre, in diesem malerischen Kuhkaff die Schaltknüppel zu kreuzen. Die Spannung vor dem Start lässt sich förmlich mit einem Brotmesser (Keramik, mit Holzgriff) schneiden.

Lauf 1 der Saison vereint 18 Fahrer am Start. Polesetter Robert Schauderna prügelte seinen 71er Chevrolet Camaro Z28 auf Startplatz 1. Dahinter Stefan Möbus auf Dodge Charger R/T, dann Sebastian Gerhart auf 68er Plymouth Barracuda. Der Start sorgt für einen anhaltenden Tinnitus in der Boxengasse. Schauderna zieht als erster die Big Bend hoch, Möbus und Gerhard im Nacken. Zu Beginn der zweiten Runde verliert Dominik Pieper kurz die Fassung und Bodenhaftung im Grünstreifen, kann aber Rang 6 halten. Doch Marcel Schümmer zeigt sich ob dieses Fauxpas derart geschockt, das er an selber Stelle die Leitplanke trifft und sich auf Rang 12 hinter Mike Roller einsortiert. Diesem wird das vorangegangene Ereignis einige Kurven später zum Verhängnis, als Schümmer den kleinen 65er Mustang TA übersieht und an die Böschung schiebt. Peinlich berührt wartet er tränenüberströmt am Streckenrand, bis Roller wieder losfährt.

Frank Schuster schlug kurz vorher schon bei dem Versuch in die Planken, Markus Gerzack zu überholen, was ihn weit zurückwirft. Ein Dreher von Mark Ackermann genau vor Franks Nase demoliert den AMC Javelin noch mehr, mit Plattfuss schleicht er frustriert in die Box. Rolf Salz hatte übrigens den Start verpasst, seine Uhr war noch auf die australische Lokalzeit getimt, so saß er noch im keramischen Wohnzimmer zur Vorbereitung. Oliver Kilian hatte sich derweil Gerhard im Kampf um Rang 3 geschnappt. Mark Ackermann glänzt in dem Bemühen, seinen zertrümmerten Wagen, der die Fahreigenschaften eines Rodeobullen auf RedBull aufweist, in die Box zu bringen. An der Spitze kämpft weiterhin die Vierergruppe Möbus, Schauderna, Oliver Kilian und Sebastian Gerhart um den Sieg, Michel Groteclaes in Lauerstellung hinterher, Dominik Pieper und Markus Gerzack im Nacken. Ein enges Feld wälzt sich durch die amerikanische Prärie.

Das Mittelfeld bestimmen mit jeweils im Sichtabstand Lars Kuhlmann, Robert Kruppert, Gert Ackermann und Tobias Dede. Leo Kuhn folgt in Hörweite, Marcel Schümmer nach Fahrfehler von Mike Roller dahinter, der Mustang-Fahrer aber ebenfalls nur wenige Sekunden hinter Schümmer. Mark Ackermann und Frank Schuster stehen an der Box, als Rolf Salz angerannt kommt und fragt, wann den nun der Start sei und wo den die anderen Fahrer sich wieder rumtreiben. Die Fünferspitze hat gerade die Big Bend hinter sich, Michel Groteclaes drängt mit in den Pulk, als ein leichter Schlenker von Sebastian Gerhart für eine Kettenreaktion sorgt. Oliver Kilian wird in den Kies gedrängt, Gerhart schlägt in die Leitplanke, Groteclaes kreiselt ohne Bodenhaftung über die Leitplanke. Schauderna bekommt den Z28 noch im Kies zum Stehen, doch Pieper zieht kopfschüttelnd auf der Strecke an dem Chaos-Klump vorbei und ist Zweiter hinter Möbus.

Möbus gerät langsam unter Druck von Pieper, der ihm faktisch auf dem Rücksitz klebt. Gerzak muss sich mit allen Mitteln gegen Oliver Kilian verteidigen, Dede könnte Gert Ackermann hinter sich sehen, wenn Schümmer nicht die Sicht nach hinten versperren würde in seiner drängenden Art. Beide Kilians finden einen Weg an Gerzak vorbei, Möbus und Pieper könnten als eineiige Zwillinge an der Spitze durchgehen. Im Mittelfeld hat sich nach rundenlangem Kampf Roller an Kuhn vorbeidrücken können, diese Frevelei führt bei Kuhn zu einem Dreher, bei dem Versuch, den schlingernden Mercury Cougar vom Heck des Mustangs fernzuhalten.

Es gewinnt das erste Saisonrennen Möbus vor Pieper und Gerhart, Schauderna und Oliver Kilian bleiben nur die Plätze unterm Podium. Es folgen Peter Kilian, Markus Gerzak und Lars Kuhlmann, der unauffällig, aber äußert effektiv Punkte einfährt. Tobias Dede kommt vor Gert Ackermann und Marcel Schümmer ins Ziel, gefolgt von Mike Roller. Leo Kuhn und der glücklose Robert Kruppert komplettieren das Feld. Mark Ackermann, Frank Schuster und Michel Groteclaes übernehmen die Wrack-Wertung nach hinten. Rolf Salz fährt gerade in die Startaufstellung...pünktlich zu Rennen 2.

In Rennen 2 steht Sebastian Gerhart zu eigener Überraschung auf der Pole, dahinter Schauderna, der auf BOSS Mustang gewechselt ist. Auch Markus Gerzak, Dominik Pieper und Marcel Schümmer vertrauen auf den BOSS, allerdings komplett im Starterfeld verteilt. Mike Roller ist vom 65er Mustang auf 67er Camaro SS gewechselt und steht im Mittelfeld. Start frei, und schon zieht Gerhart davon. Möbus und Oliver Kilian kebbeln sich dahinter, der Rest folgt gesittet. Peter Kilian und Dominik Pieper sind sich ob der Reihenfolge unschlüssig, auch Mike Roller und Mark Ackermann sind eher in ungewohnter Abfolge unterwegs. Mark zieht nach einem Fehler Rollers vorbei, dieser kann aber in hartem Zweikampf Gert Ackermann hinter sich halten, gefolgt von Rolf Salz. Mark Ackermann setzt nun Robert Kruppert unter Druck, ignoriert dabei Mike Roller, der sich auf der Zielgeraden rankämpft und anstiegs Big Bend vorbeigeht und nun seinerseits Kruppert verfolgt.

Schümmer, Groteclaes und Schuster fighten um Platz 6, dahinter geht es um Rang 9 zwischen Gerzak, Peter Kilian und Lars Kuhlmann, in Sichtweite Tobias Dede. Ein Fahrfehler wirft Oliver Kilian von Platz 4 bis auf den 15. Platz zurück, sogleich startet er eine Aufholjagd durchs ganze Mittelfeld. Der weitere Verlauf gestaltet sich eng, aber unspektakulär prozessionsartig. Mark Ackermann kata - pultiert sich mit einem Dreher fast ans Ende des Feldes, dort verteidigt Rolf Salz aber die ungeliebte rote Laterne ungewollt.Schuster überholt Schümmer, Peter Kilian lässt Gerzak hinter sich, und Roller streichelt schon Krupperts Heck. Schümmer muss auch Peter Kilian ziehen lassen, Tobias Dede cruist weiterhin entspannt um den Kurs. Doch Roller zieht am Ende der Zielgeraden an Kruppert vorbei und macht nun Jagd auf Dede - was den aber nicht stört.

Es gewinnt Gerhart vor Möbus und Schauderna, gefolgt von Pieper, einem starken Michel Groteclaes und Frank Schuster. Oliver und Peter Kilian behaupten sich vor Lars Kuhlmann, dahinter Gerzak, Dede und Roller. Robert Kruppert wird 13. vor Schümmer, Gert Ackermann und Rolf Salz, der sich noch tapfer in die Punkte kämpft. Mark Ackermann kommt noch vor Leo Kuhn ins Ziel, der diesmal nicht an den Speed des ersten Rennens anknüpfen konnte.

Eine spannende erste Partie der Saison in Lime Rock Park. Ein über das gesamte Rennen enges Feld, packende Zwei- bis Mehrkämpfe, und die üblichen Verdächtigen an zum Teil ungewohnten Postionen. Dieses Wochenende macht Lust auf mehr - die TransAm-Saison gibt Gas!

Texte und Fotos: Mike Roller