GTLegends and friends

Riverside

Oliver Kilian

Kaum hat sich das Sitzfleisch von Le Mans erholt, packen wir unsere Habe zusammen und reisen zum ersten mal in dieser Saison in die USA. Hier liegt der Ursprung zumindest einer Hälfte des Fahrzeugfeldes, und so ist es auch kein Wunder, dass sich gerade die IMSA GTX-Boliden auf dem Riverside International Raceway pudelwohl fühlen. Wir befahren diesen wunderschönen, kalifornischen Wüstenkurs auf seiner längsten "Can-Am"- Variante, und vermutlich werden wir auch kaum langsamer unterwegs sein als ihrerzeit dielegendären Sportprototypen vom Schlage eines McLaren M8 oder Porsche 917. Dabei dürfen wir allerdings nicht vergessen, dass Riverside auch eine der gefährlichsten Strecken der Saison ist. Die extrem hohe Rate von mitunter tödlichen Unglücksfällen war schließlich einer der Hauptgründe dafür, dass Riverside im Jahr 1989 endgültig geschlossen wurde. Wir allerdings tun uns dieses Spektakel nocheinmal an. Und ganz ehrlich: Riverside macht tierisch viel Spaß!
Die pfeilschnelle Durchfahrt durch das von unnachgiebigen, eingegrabenen Reifen gesäumte Geschlängel im ersten Streckenabschnitt ist ein extremer Adrenalinkick. Die folgende Gerade hat am Ende einen Anbremspunkt, der - je nach Fabrikat - direkt am Landepunkt nach einer Sprungkuppe liegt. Der darauffolgende Bremspunkt führt durch eine immer enger werdende Rechtskurve und erfordert äußerste Feinfühligkeit mit dem Bremspedal. Im Anschluss geht es auf eine sehr schnelle Gerade, die schöne Windschattenattacken erlaubt - wenn man sich traut, den abschließenden Vollgasknick parallel zu durchfahren. Zu guter letzt geht es noch im leichten Drift durch eine Steilkurve - und das waren sie, die wichtigsten Punkte aus 5,25 Kilometern purem Fahrvergnügen.
Welches Auto hier am schnellsten ist? Keine Ahnung - ich habe nur ein paar Fabrikate getestet. Bei diesen hatte ich aber ein Dauergrinsen im Gesicht. Zu Recht, denke ich.

Mike Roller

GRM Riverside - Der Butterfly Effect bei 270 km/h
Die 1957 eröffnete kalifornische Rennstrecke Riverside bot auf knapp 6000 Metern anspruchsvolle Kurven, lange Geraden und eine magenunfreundliche Berg- und Talfahrt. Dazu viel Sand, sehr robust eingegrabene Streckenbegrenzungen in Form versteinerter Reifen sowie den berühmten Butterflyeffect. Die 28 rundkursgestählten Fahrer der GTL GRM-Serie lassen sich von solchen Details nicht schocken, solange es von einem genug gibt: Pure Leistung in coolen Rennwagen. Polesetter in beiden Rennen war Thomas Weber, den den Kurs in seinem BMW M1 in jeweils rund 1:41, 9 min umrundete. Doch würde es wieder eine Weber-Show oder kann Heiko Stritzke wieder in die blau-weiße Suppe spucken?

Rennen 1 in Kalifornien begann mit einem rasanten Start von Weber, der sogleich davonzog. Dahinter versuchen Tobias Kuppe (BMW CSL), Heiko Stritzke (auch CSL) und Stefan Möbus im M1 Anschluß zu halten, auch Oliver Kilian´s Monza hat Witterung zur Führungsgruppe aufgenommen. Einen forschen Überholversuch gegen Jan Müller transformiert Johannes Peiter in bilderbuchhaftes Übersteuern in Kurve 9, was ihn ans Ende des Feldes wirft. Auch Müller und Tobias Dede müssen in Folge Federn und somit Plätze lassen. In Runde 3 wirft Möbus seinen M1 weg und muß das Rennen beenden, da Teile seines Wagens nach einem Crash noch an der mexikanischen Grenze im Zoll festhängen. Auch Frank Schuster und beide Kilians, heftig kämpfend, fallen nach Scharmützeln zurück, Frank sogar aus den Top Ten bis auf Rang 18. Wolfgang Roller trifft in Kurve 4 den sich verbremsenden Tobias Dede, rammt dessen M1 in den Wüstensand und stellt sich quer auf die Strecke, was auch Jan Müller und Gert Ackermann zurückwirft. Tobi Dede schleicht mit Plattfuß mühsam in die Box, heftig mit einer Wüstenrennschnecke kämpfend.

In Runde 6 kosten kleine Fehler Sascha Miesterfeld im Toyota und Jürgen Dost im Pantera einige Positionen. Harald Bachmann zerrt seine grüne Corvette kurz danach in den Sand, und ein Dreher von Mustang-Pilot Holger Thie führt zu einem weiteren Dreher bei Miesterfeld. Volker Borghardt, der seinen Capri nach längerer Abstinenz wieder souverän im vorderen Fahrerfeld bewegt, fällt nach einem Boxenstopp - sein Aschenbecher war voll - erst einige Ränge nach hinten, einige Runden später katapultiert ihn ein Dreher in Kurve 12 fast nach ganz hinten. In Runde 14 zertrümmert Michel Groteclaes seinen BMW M1, parkt dann ewig in Kurve 5 bei dem Versuch, seinen abgerissenen Vorderreifen zu ersetzen, indem er eine der versteinerten Streckenbegrenzungen ausgräbt. Kurz danach reisst sich Thomas Weber, in Führung liegend, den halben Vorderwagen ab, was ihn Platz 1 kostet, den Stritzke dankend übernimmt. Runde 16 bedeutet das Ende für Mark Ackermann, sein Capri stirbt gegenüber dem wild grabenden Groteclaes. Der Anblick des schweißüberströmten, muskelbepackten Michel raubte Mark offenbar kurzzeitig die Sinne und Orientierung. Runde 17 kostet auch Tobias Kuppe noch einige Plätze, er fällt bis auf Platz 13 zurück. Sieger wird Stritzke vor einem Thomas Weber im schwer angeschlagenen M1, dahinter Oilver Kilian im Chevy Monza.

Rennen 2 wiederum bot einige Skurilitäten. Der fliegende Start wurde sogleich Mark Ackermann zum Verhängnis, als er sich beim Gas geben direkt auf der Startlinie wegdreht. Eine Runde später, Thomas Weber hat soeben mit seiner Meute im Nacken die Ziellinie erstmalig im Renntempo überquert, geschieht folgendes: Ein Schmetterling segelt auf der Zieltribüne umher und trifft Nancy Wighterrousen, eine 52jährige Krankenschwester aus San Francisco. Diese schlägt geistesgegenwärtig um sich, trifft aber Brad Popperfonsel, einen 38jährigen Bauarbeiter aus Miami. Dieser, völlig überrascht, rempelt Nebenmann Fonzy Halhoughly an, einen 41jährigen Rechtsanwalt aus Detroit. Dem geschiedenen Baseballfan fällt dabei sein Blackberry-Smartphone aus der Hand, und prallt auf den Steinboden vor Soccerlegende Harry Boomer aus New York, der reflexartig das Handy in die Höhe kickt. Ein Sonnenstrahl trifft die Glasfläche des Smartphones, der Lichtblitz blendet Sascha Miesterfeld, der mit seinem Toyota die letzte Kurve mit 270 Km/h durchrast. Irritiert rammt Sascha die linke Streckenbegrenzung, die ihm dabei ein Vorderrad abreißt, dreht den folgenden Peter Kilian. Jan Müller kann Saschas arg verformten Wagen nicht ausweichen und rammt diesen, was auch Ralf Stingl im Capri aus der Bahn wirft. Volker Borghardt siehts, sieht aber auch eine Lücke im Chaos und nutzt diese. Marcel Schümmer bremst. Jens Brettschneider nicht, was Marcels Toyota nicht gut tut, Tobis heranrasenden M1 die freie Fahrt nimmt, und dem Japaner fast den Rest gibt. Brettscheiders Mustang bringt noch genug Newtonmeter mit, um Müllers BMW völlig von der Strecke zu werfen. Der nun folgende Groteclaes bremst zwar, trifft aber seinen kreiselnden Teamkollegen Dede, dem nun auch Wolfgang Roller recht "schlagartig" begegnet. Augenblicke später erreichen Gert Ackermann und Mike Roller die Szene, überwältigt von den Trümmern, dem Rauch, den umherirrenden, schreienden Fahrern und einem hart auf den Asphalt aufprallendem Blackberry rollen sie mit offenem Mund und staunendem Blick durch das Schlachtfeld. Jürgen Dost rempelt noch hinterher und überfährt das Smartphone, woraufhin ihn Fonzy Halhoughly auf 12 Millionen Dollar Schadenersatz verklagt. Stritzke, Peter Kilian und Mark Ackermann müssen als Folge der Karambolage das Rennen vorzeitig beenden.

In Runde 6 gibt auch Leo Kuhn erst der Streckenbegrenzung die Ehre, dann später ganz auf. Um Platz 18 entwickelt sich einer rundenlanger, spannender Vierkamp zwischen Gert Ackermann in der Corvette, Wolfgang Roller im Mustang und Mike Roller im Ferrari, begleitet von Jan Müller im BMW. Weiter vorn duellieren sich messerscharf Oliver Kilian und Lars Kuhlmann, sowie Harald Bachmann und Jochen Richter auf höchstem Niveau. An Runde 14 fällt Tobias Kuppe sukzessive zurück, auch bedingt durch einen Boxenstopp, und kehrt als 18. wieder ins Rennen zurück. Letztlich gewinnt Weber vor Frank Schuster und Stefan Möbus.
P.S.: Dem Schmetterling gehts übrigens gut. Man sah ihn zuletzt an einem der US-Atomkraftwerke vorbeifliegen......