GTLegends and friends

Le Mans

Oliver Kilian

Rennabend drei führt uns nach Frankreich - zum ersten großen Saisonhöhepunkt und auf eine der bekanntesten Rennstrecken der Welt. Dass da auch das Rennformat etwas besonderes wird, ist klar. Die Worte "Le Mans" und "Langstreckenrennen" gehören einfach zusammen. Für ganze zwei Stunden am Stück werden wir uns auf dem Circuit de la Sarthe tummeln, und dabei Geschwindigkeiten erreichen wie sonst nie wieder in dieser Saison. Ohne Windschatten machen die bärenstarken, aber aerodynamisch etwas altmodischen GRM-Boliden bei spätestens 344 Km/h Schluss, doch Wehe, wenn sich zwei zusammentun. Da werden je nach Fabrikat plötzlich bis deutlich über 370 Stundenkilometer abgerufen - Werte, von denen moderne GT's nur träumen können.
Man muss kein Mathematiker sein um zu erkennen, dass dieses Rennen in mehr als nur einer Hinsicht auch taktisch knifflig wird. Wenn man zwei verschiedene Wagen gewählt hat, hat man die Qual der Wahl. Wie verhalten sich Rundenzeiten und Langstreckentauglichkeit der beiden Fabrikate? Hat man sich entschieden geht es weiter mit Sprit- und Reifenstrategie. Lässt sich ein Stop einsparen, und lohnt sich das? Stellt man den Wagen auf Bestzeiten in Solo-Fahrt oder auf das größte Windschattenpotential ein? Wie wirkt sich Windschatten auf den Verbrauch aus? Positiv, oder durch die höhere Drehzahl gar negativ? Speziell die Celica- und CSL-Treter sollten auch die thermische Gesundheit und Haltbarkeit ihres Motors in Relation zur Drehzahl beachten. Und wie geht man das Rennen an? Als Einzelkämpfer, jede Möglichkeit zum Platzgewinn nutzend? Oder schmiedet man "Windschattenallianzen", um - wie beim Radrennen - schneller als einzelne Ausreißer zu sein. Den Preis dafür muss man zahlen, wenn der Verbündete in der letzten Runde zum Gegner mutiert und einem den Platz wegschnappt... Das alleine wäre schon genug für einen genialen Rennabend, aber auch die Strecke an sich wird fahrerisch viel Freude bereiten. Theoretisch kann man auf der Hunaudieres-Geraden mehrfach aus dem Windschatten überholt werden und zurückkontern. Die harten Bremspunkte bieten herausragende Angriffsmöglichkeiten und gerade der letzte Streckenabschnitt ist auch fahrerisch sehr anspruchsvoll.
Dieses Rennen, da bin ich mir sicher, wird absolut genial! ... und ich freu mich drauf!

Mike Roller

GRM LeMans 1977: Langstreckenerfolg für Heiko Stritzke
Bei dem Wort LeMans fällt Motorsportbegeisterten nicht nur der gleichnamige Film mit Steve McQueen ein, sondern zuerst eine der schnellsten Rennstrecken der Welt. Die GRM-Serie absolviert hier in Frankreich das erste Langstreckenrennen der jungen Saison. 29 Fahrer sind angetreten, um 33mal die 13, 7 km zu umrunden und dabei Geschwindigkeiten bis zu 370 km/h zu erreichen - im engen Zweikampf, wohlgemerkt. Nach zwei Siegen durch Thomas Weber im BMW M1 stand dieses Mal wieder ein BMW-Pilot auf dem Treppchen - Heiko Stritzke im BMW CSL Turbo.

Ehrenrunde nach der Zieldurchfahrt

Es sah wieder nach einer Weber-Show aus. Pole-Position mit einer fabelhaften 3:30,7 Min. Teamkollege Stefan Möbus auf Startplatz 4, dazwischen Stritzke und Porsche-935-Quäler Jochen Richter. Nach der obligatorischen Einführungsrunde führt Weber das Feld an, Stritzke im Nacken. Erste Bewährungsprobe auf der langen Hunaudiéres. Die PS-Monster spielen hier ihre Stärke aus, besonders der einzige Ferrari 512 BBM von Mike Roller kassiert gleich 3 Konkurrenten im Windschattenduell. Jan Müller im CSL Turbo wedelt kurz ins Grün in der Indianapolis-Kurve, auch Tobias Dede nimmt ein paar Grassamen auf. Wenig Später scharmützelt Peter Kilian, ebenfalls CSL, mit Monza-Fahrer Detlef Preisig, die Mulsanne markiert den unsanften Endpunkt des Duells. Mike Roller gibt die gewonnen Plätze mit zwei Fahrfehlern wieder her, offenbar mag der Italiener keine Kurven. Detlef Preisig steuert in Runde 6 die Box an und beendet das Rennen wegen des vollen Aschenbechers, seine Corvette Monza röchelt die letzten Rauchfahnen aus dem lädierten Korpus.

An der Spitze weiterhin Weber und Stritzke, die beiden Porsche-Twins Jochen Richter und Oliver Kilian ziehen im Paarflug an Stefan Möbus vorbei, der sich zwischenzeitlich vorgeschoben hatte auf Rang 3. Ohnehin sorgen die beiden 935er für sehenswerte Szenen, die Zweikämpfe sind rundenlang so eng, das man eineiige Zwillinge hier als entfernte Verwandte bezeichnen würde. M1-Fahrer Michel Groteclaes wirft es von Platz 12 bis auf 17 zurück, bahnt sich hier wieder eine Löwenherz-Krise an? Kollege Tobias Dede dümpelt tapfer kämpfend im hinteren Mittelfeld herum, kämpft aber eher mit seinem Wagen, der wenig Spielraum für Dede´s eher filigrane Fahrkünste lässt. In Runde 8 beginnen die ersten Boxenstopps, das Fahrerfeld wird wild durcheinandergewürfelt. Die durstigen Amerikaner, wie die Corvetten von Kuhlmann und Kruppert oder Gert Ackermann tauchen zuerst auf. Wenig später suchen auch Möbus, Mark Ackermann und Michel Groteclaes die Tankstellen auf, das heisere Schlürfen aus dem Motor sorgte für Unsicherheit. Runde 11 bedeutet das Aus für gleich zwei Fahrer. Rolf Just rollt nach seinem Stop trocken aus, seine Boxenmannschaft hatte die 100 Liter wohl in den Gully statt in den Tank gekippt. Auch Mike Roller steuert die Box zum Tanken an. Doch seine neue philipinische Boxencrew versteht kein Wort, sieht ihn phlegmatisch an und schickt ihn mit nur 15 Litern wieder ins Rennen. Ausgangs der Mulsanne rollt der Ferrari dann schweigend aus. Bei Thomas Weber klappt der Stop dagegen reibungslos.

Runde 17. Ralf Stingel pilotiert seinen Ford Capri souverän im vorderen Mittelfeld, als es ihn unverhofft komplett aus dem Rennen wirft. Ackermanns Gert und Robert Kruppert treffen sich zum Tank-Tee in der Box, die Corvetten verfügen über enormen Nachdurst. Auch Michel Groteclaes kämpft verzweifelt gegen Frank Waschke im Capri, eine kleiner Stupser sorgt für einen sehenswerten 3fach 360° des UPS-M1. Wenig später kehrt der Rest des Feldes zum Tanken ein, die folgenden Runden sind geprägt von reifenschonendem Fahren und spritsparendem Cruisen. Bis auf die beiden Porsche. Jochen Richter wirft ein kapitaler Abflug in der Indianapolis einige Plätze zurück bis auf Rang 6. Vehement arbeitet er sich aber ans Heck von Oliver Kilian zurück. Kurz vor Rennende, um Runde 30, treibt es einige Corvette-Fahrer, so auch Gert Ackermann wieder an die Box. In Folge liefert sich der betagtere der Ackermänner einen engen Zweikampf mit dem betagteren der Rollers, Wolfgang im Ford Mustang, der als 14. kein Risiko mehr eingehen will. Robert Kruppert fällt in der letzten Runde noch vom elften auf den 16. Platz zurück. An der Spitze konnte sich Oliver Kilian noch an Thomas Weber, der sich an die Spitze zurückgekämpft hatte und Stritzke unter Druck setzte, vorbeikämpfen.

So siegt mit viel Herz und Hirn Heiko Stritzke vor Oliver Kilian, Dritter wird Thomas Weber. Stark als 4. Lars Kuhlmann auf Corvette, vor Marcel Schümmer im Mustang; Mike Horn verteidigt Endrang 6 vor Jochen Richter, der einen arg zerfledderten Posche 935 ins Ziel trägt. Dahinter Stefan Möbus vor Jan Müller und Peter Kilian, der die TopTen komplettiert. Erwähnenswert auch Holger Thie auf Platz 13, und Gert Ackermann und Wolfgang Roller auf 14 und 15 vergolden so eine souverän konstante Leistung. Etwas unzufrieden sicher Robert Kruppert auf Platz 17 (obwohl als 11. durchs Ziel gerauscht), und Sascha Miesterfeld im Toyota auf Platz 20. Die Material- und Temposchlacht führt zu lediglich 6 Ausfällen, was für die Disziplin und Erfahrung der Piloten spricht.

Das nächste Rennen führt uns in die USA nach Riverside. Wird hier Thomas Weber wieder triumphieren? Macht Stritzke das Double? Oder überraschen die Porsche 935? Bleiben Sie uns gewogen, wieder live kommentiert von Sebastian Gerhart, dem Mikrofon-Poeten der Rennstrecken der RLC.