GTLegends and friends

Kyalami

Oliver Kilian

Jetzt gilt's.
Für unseren Saisonauftakt bietet das "alte" Kyalami in Südafrika beste Voraussetzungen: Es ist eine kurze, einprägsame Strecke, die aufgrund ihrer hohen Fahrbahnbreite auch für ein randvolles Starterfeld ausreichend Sicherheit bietet. Vor allem aber ist Kyalami geradezu ein Garant für spektakuläre Duelle. Dafür sorgt neben dem flüssigen Layout insbesondere die schier endlose Start- / Zielgerade. Da der kleine Rechtsknick "The Kink" mit Vollgas durchfahren werden kann, erreichen die Wagen kurz vor der Anbremszone beinahe ihre absolute Höchstgeschwindigkeit. Zum einen wird das für Windschattenliebhaber ein wahres Festmahl - und somit auch besonders interessant für Fahrzeuge wie den Ferrari, der erst im oberen Geschwindigkeitsbereich wirklich gut beschleunigt. Zum anderen sollten wir vor Kurve 1, wo aus etwa 330 Km/h stark heruntergebremst werden muss, Zeugen von so manchen verwegenen Attacken werden. Zumindest in der Qualifikation lauten die absoluten Favoriten Corvette, M1 und CSL, die hier durch rohe Motorgewalt die schwächere Konkurrenz dominieren. Die 1:15er Marke könnte dabei fallen. Im Rennen allerdings, wo die Corvette mit tonnenweise Sprit an Bord starten muss, Corvette und M1 mit ihren Reifen zu kämpfen haben werden und der CSL in der südafrikanischen Hitze droht abzufackeln ...
... nun, da könnten am Ende ganz andere Gesichter vorne stehen. Seien wir gespannt und warten es ab!

Mike Roller

Da brüllt die afrikanische Steppe!

Kyalami 1975. Tobias Dede lehnt erschöpft an den ramponierten Resten seines BMW M1. Das goldgelbe UPS-Monster sieht etwa so aus, als hätte es ein Parkhaus zielstrebig durch den Mittelschacht verlassen. Zwei Rennen auf diesem fast vier Kilometer langen südafrikanischen Kurs, und für das Gebüder Löwenherz-Team ein Wochenende zum Vergessen. Hätte Tobi seine wallenden Locken noch, er würde sich nun die Haare raufen. Zitternd setzt er sich in Bewegung, trottet auf die ebenso ausgelaugten restlichen 31 Fahrer zu. Die GRM-Serie der Racersleague beweist schon im ersten Rennen, wo der Turbo seine Pfeifen hat. Ein strahlender Doppel-Sieger, erfolgreiche Underdogs, gescheiterte Favoriten, glückliche Ankommer - das erste Rennevent der Saison bot alles, was sich ein Motorsportfan wünscht.

Viel Neues in dieser frischen GTL-Serie. PS-Monster, Highspeed-Strecken, fliegender Start, volles Fahrerfeld, Sebastian Gerhard als grandioser Livestream-Kommentator, Blut, Schweiß, Tränen, ein impotenter Elefant. Die ersten 26 Runden auf dem 1975er Layout Kylamis führte Stefan Möbus mit einer Zeit von 1:14,184 an, die Pole konte er seinem Teamkollegen Thomas Weber grad noch entreißen. Beide im M1, Oliver Kilian lauerte jedoch brandgefährlich im Chevrolet Monza dahinter. Weitere 28 Fahrer sortierten sich auf der Einführungsrunde dahinter ein, bevor Möbus das Rennen kurz vor der Boxengasse mit einem beherztem Tritt aufs Gaspedal eröffnete. Die Schrecksekunde nutzte Kilian, um an Weber kurz vorbeizuziehen. Eine Unpäßlichkeit, die Weber kurz darauf zu korrigieren wusste. Mike Horn jedoch hatte noch seine Kühlakkus auf den Bremsscheiben liegen, so schob sein Chevy Monza die Corvette von Vordermann Lars Kuhlmann unsanft in die liebliche afrikanische Botanik, was beiden etliche Plätze kostete. Am Ende der ersten Rennrunde legte sich Weber seinen Teamkollegen zurecht, zog an diesem freundlich lächelnd vorbei. Der offenstehende Mund vom erstaunten Möbus wird weitere aerodynamische Einschränkungen mit sich gebracht haben.

An der Spitze jagt Oliver Kilian Thomas Weber, Mark Ackermann fetzt sich spektakulär auf höchstem Niveau mit dem BMW CSL von Heiko Stritzke, und Möbus zupft gerade sein Zähne aus dem Lenkrad, in das er nach seinem Dreher in der Clubhouse Bend wütend gebissen hatte, Platz 8 als Lohn dieser Aktion. Frank Schuster betrachtet entzückt die wilden Zweikämpfe zwischen M1-Fahrer Ackermann und CAL-Pilot Stritzke. Derweil plagen Vater und Sohn Dost böse Aussetzer, beide Panteras gönnen sich zahlreiche Standpausen auf der Strecke, sehr zur ekstatischen Begeisterung der ruckartig ausweichenden Hintermänner. Folgerichtig und sportlich fair steuern beide die Box an, in der Leo Kuhn schon frustriert seine Corvette geparkt hat. Jan Paesler hingegen sorgt für bizarre Erkenntnisse am Boxenfunk, als er auf die enge Rechtskurve am Ende der langen Zielgeraden zusteuert. Zum einen gibt er wie Sebastian Vettel den Wagen Frauennamen, zudem nutz er auch ähnliche Tricks, mit denen er auch seine Frau daheim ausbremst:"So, Blech-Ragnhild-Else-Chantalle, jetzt langsam....langsamer...LANGSAM!! Äh...Schuhgeschäft rechts, Sonderangebote, Schlußverkauf! Ja, genauso, ganz zombiemäßig ruhig!". Nach einigen Aussetzern endet auch das Rennen von Capri-Pilot Ralf Stingl, der sich deutlich mehr erhofft hatte als den Kampf im Mittelfeld. Ein böses Ende nimmt auch ein Dreher von Frank Waschke, dessen Capri sich ungünstig in einer schlecht einsehbaren Kurve verkeilt. Sein Versuch, zu entkommen, endet mit einem Klitschko-Uppercut durch Tobias Dede mitten in Franks seite, Dedes M1 legt einen gewichstreduzierenden Spontan-Strip hin, fährt danach wie Grönemeyer singt, äußerst unpräzise, und wirft ihn fast ans Ende des Feldes.

Auch Detlef Preisig kämpft mit den Tücken der Kupplung seines Monza, wie Grasbüschel, Sand und ein Elefantenhoden am Spoiler seines Wagen zeigen.Mark Ackermann fällt derweil auf Platz 8 zurück, Möbus kämpft sich auf Platz 5 vor. Wolfgang Roller bugsiert seinen HSK-Mustang an Johannes Peiter vorbei auf Rang 21, Teamkollege Mike Roller im einzigen Ferrari dümpelt etwas gehemmt auf Platz 24 herum, profitiert aber von weiteren Drehern Dedes. Gert Ackermann spürt den pfefferminzgeschwängerten Atem von Holger Thie im Nacken, kontert aber mit diversen Gerüchen aus dem Auspuff seiner potenten Corvette. gegen Rennende verweigert auch Michel Groteclaes´M1 die Lenkpräzision, was seine Hintermänner nach vorn spült. Ein spannender Dreikampf im Mittelfeld zwischen Groteclaes, Nico Standke im Mustang und Lars Kuhlmann in der Corvette findet so ein jähes Ende. Auch Standke fällt von Platz 11 auf 16 zurück, ein Tribut an die nachlassenden Reifen. Preisig erobert noch Platz 6 vom verbissen, aber fair kämpfenden Peter Kilian, Holger Thie schnappt sich noch Gert Ackermann im Kmapf um Platz 18. Sieger im ersten Lauf wird mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 178,7 Km/h Thomas Weber, vor Frank Schuster und Oliver Kilian, Stritzke wird 4. vor Möbus. 26 Fahrer erreichen das Ziel, die enttäuschten Löwenherz-Brüder Groteclaes und Dede sammeln zumindest noch Punkte als letzte Ankommer, Oliver Herz tapfer in die Mitte nehmend.

Doch es bleibt kaum Zeit zum Verschnaufen, die nächsten 26 Runden bei sonnigen 28° warten auf die erschöpften Fahrer. Jürgen und Patrick Dost verzichten ebenso wie Frank Waschke aus technischen Gründen auf den Start. Poleposition geht diesmal an Thomas Weber mit einer 1:14,114. Teamkollege Möbus knapp dahinter, dann Jochen Richter, den den Capri für dieses Rennen gegen den Porsche 935 eingetauscht hatte, wie auch Oliver Kilian und Frank Schuster auf den Zuffenhausener setzen. Dahinter lauert Mark Ackermann im M1 vor Detlef Preisig. Der fliegende Start gelingt bis auf einige Kuschelanwandlungen wieder eibungslos, jedoch verpennt Möbus seinen Einsatz und fällt zurück, Mark Ackermann und Jochen Richter jagen im Kampf um Platz 2 hinter Weber auch die erste Kurve zu, mit dem besseren Ende für Ackermann junior. Dahinter eine erste Berührung zwischen Preisig und Plüss, und auch Stingl wird Opfer eines Verbremsers seines Hintermannes Heiko Stritzke, der beim Anbremsen noch entsetzt in der "Gala" lesen musste, das Kate sich von Prinz William trennen will.

Aufgrund der aufschießenden Tränen der Betroffenheit geriet Stingls Capri völlig aus den Augen, was diesen ans Ende des Feldes katapultiert. Kilian und Richter liefern sich, Möbus im Schlepptau, einen packenden, milimetergenauen Zweikampf, Runde um Runde. Schuster versucht, von Platz 7 aus Anschluß an die Spitze zu halten. Dahinter kämpft Peter Kilian im CSL vor Freude glucksend gegen Robert Kruppert, den Altmeister in der Corvette. In Runde 6 kommt es zum Crash zwischen Plüss und Preisig, letzterem was wohl seine Packung "Edle Tropfen in Nuss" unters Kupplungspedal gefallen, was verzögernd auf seine Verzögerungsbemühungen wirkte. Für beide das Rennende. Mike Horn fällt nach einem Fehler aus den Top Ten bis auf Rang 15 zurück, bitter für ihn. Spaß hat Holger Thie, der weit vorn gegen die Mustangs von Brettschneider und Standke zu Werke geht. Weiter hinten behauptet sich Wolfgang Roller gegen Groteclaes auf Platz 17, bis die Gerade kommt, auf der Groteclaes´M1 recht müde lächelnd am gequält hechelnden Mustang aus dem Sauerland vorbeizieht.Holger Thie hingegen nutzt einen kapitalen Fehler, um von Platz 10 auf 20 zurückzufallen. Marcel Schümmer, mit verhaltenen Ambitionen ins Rennen gestartet, kämpft sich durch Mittelfeld. Leider endet plötzlich regulär das Rennen, nachdem Thomas Weber mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 181 km/h den zweiten Sieg einfährt, gefolgt von einem sehr starken Mark Ackermann, dahinter nach grandioser Aufholjagd Stefan Möbus. Die drei Porsche von Jochen Richter, Oliver Kilian und Frank Schuster reihen sich hinter den BMW M1 ein, das Elbe-Donau-team um Lars Kuhlmann und Robert Kruppert erobert Platz 7 und 8. Wieder bitter wird es für die Gebrüder Löwenherz, denen eher Doppelherz helfen könnte. Groteclaes Platz 18 hinter Wolfgang Roller, Tobias Dede wieder nur Schlußlicht. Hier scheint sich noch ein ernstes Teamgespräch ob der Wagenwahl anzubahnen.

Gefrustet, aber etwas entspannter schlendert Tobias Dede Richtung Motorhome, die Hand fährt gedankenverloren durch die imaginäre Lockenpracht, als Gert Ackermann auf ihn zustürmt und herzlich tröstend in die Arme schließt. So endet dieses erste Rennwocheende der GRM mit einem Happy End.