GTLegends and friends

Oliver Kilian

Nachdem ihr schon fleißig Probefahren konntet, folgen hier alle konkreten Informationen zur kommenden GRM-Saison. Wir haben eine Weile hin- und herüberlegt, ob wir diese Serie wirklich aufziehen sollen. Sind die Wagen zu brutal? Zu schwer zu beherrschen? Geht dadurch der Fahrspaß verloren? Eure ersten Reaktionen zeigen uns, dass wir uns am Ende richtig entschieden haben. Ein echter GTL-Racer kennt offenbar keine oberen Leistungsgrenzen, und spektakulär sollte dieses Format werden wie noch nie eines zuvor. Das fängt bei den eingesetzten Rennwagen an: der Name "GRM" ähnelt nicht umsonst dem Kürzel der ehemaligen Deutschen Rennsportmeisterschaft. Denn hier leben diese Boliden wieder auf: Silhouettenfahrzeuge nach dem extrem liberalen FIA-Gruppe 5 - Reglement, wild verspoilert, hochdrehend, turbogeladen bis zum Anschlag und unglaublich breit, echte Legenden, die hierzulande so gut wie jedem wahren Motorsportfan bekannt sein sollten. Weil das alleine nicht reicht, haben wir uns auch nur auf die "Top Dogs" von damals konzentriert, die in der "großen" Division 1 unterwegs waren. Leistung ab 550 PS aufwärts. Bis hierhin gibt es das auch für andere Simulationen, aber GTL kann noch mehr! Denn wir blicken über den Atlantik und suchen uns passende Verstärkung. Im Rahmen der IMSA GT-Serie fuhren zur gleichen Zeit im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ... nun ja ... unbegrenzte Autos. IMSA GTX nannte sich diese Klasse, war das noch freiheitlichere Pendant zur deutschen DRM und Heimat einiger der brachialsten Rennwagen aller Zeiten. Gitterrohrrahmen, Hubraum satt und nur durch die Halbarkeit des Antriebsstranges begrenzte Leistung - diese Monster gehen morgens raus und verspeisen einen Formelwagen. Zum Spaß. Das Ergebnis ist ein fantastisches Feld aus zehn Wagen, die einerseits wunderbar miteinander harmonieren, andererseits aber durch ihren ganz unterschiedlichen Charakter für Abwechslung sorgen. Spektakulär und etwas beängstigend sind sie alle, und wir wollen sie jetzt über zehn der schönsten Kurse der Welt scheuchen. Das wird nicht leicht, aber - da sind wir uns ganz sicher - ein Riesenspaß! Und eines ist sicher: nach dieser Saison wisst ihr, dass ihr wirklich Auto fahren könnt.

Die Fahrzeuge:

Chevrolet Corvette GTX

BigBlock V8 7046 ccm 881 nm 705 PS 1120 kg

... ein Fahrzeug der Superlative, brachiale Optik, mächtiger Aluminium-V8 und die vermutlich breitesten Reifen, die je ein Rennwagen besaß. Mit ihrem Gitterrohrrahmen und der im Windkanal entwickelten Karosserie ist die Corvette nicht nur auf den Geraden König. Nur auf der Bremse und bei Lastwechseln spürt man das hohe Gewicht deutlich. Die Corvette ist relativ gut beherrschbar und zugleich in Sachen Bestzeit das potenteste Fahrzeug im Feld. Über die Renndistanz relativiert wird dies allerdings durch ihren sehr hohen Reifenabrieb und den unglaublichen Spritverbrauch. Selbst mit dem riesigen 140-Liter Tank ist ihre Reichweite die kürzeste unter allen zur Auswahl stehenden Fahrzeugen.

BMW M1 Turbo

R6 Biturbo 3191 ccm 675 nm 755 PS 1090 kg

.... das Monster. Der BMW hasst seine Fahrer, und das wird er ihnen früh genug zu spüren geben. Mit enormen 755 PS beschleunigt er auf langen Geraden sogar die Corvette aus, liegt wie ein Brettund schreit dabei, dass es eine wahre Freude ist - bis die Haftungsgrenze erreicht ist. Dann beißt er zu. Obwohl auch Reifenverschleiß und Reichweite unterdurchschnittlich sind, hat dieser Wagen ein enormes Potential - das aber nur die versiertesten Fahrer sicher entfesseln können. Nichts für Anfänger.

BMW CSL Turbo

R6 Biturbo 3191 ccm 640 nm 756 PS 1080 kg

... der zivilisiertere, kleine Bruder des M1. Die Straßenlage ist allgemein gutmütig, die Bremsen herausragend. Rundum gut ... wenn da nicht dieses kleine Traktions-Problem durch die sehr
frontlastige Gewichtsverteilungwäre. Noch im Dritten Gang drehen die Hinterräder durch, zusammen mit der sehr spitzen Leistungsentfaltung des im Vergleich zum neueren M1 drehmomentschwächeren Motors eine tödliche Kombination. Größte Schwäche ist die eingeschränkte Motorhalbarkeit in Kombination mit thermischen Problemen bei hoher Drehzahl. Gerade auf langen Renndistanzen sollte man die Schaltpunkte weit herunter setzen - ein Nachteil, der durch die extrem hohe Reichweite weitgehend ausgeglichen wird. Für Gaspedalartisten und leute, die einfach den gewissen Adrenalinkick suchen unbedingt zu empfehlen!

Toyota Celica LB Turbo

R4 Turbo 2090 ccm 465 nm 590 PS 780 kg

... skurille Optik, drehmomentschwacher Vierzylinder, aber dennoch ein sehr ernstzunehmender Gegner mit sicherem Fahrverhalten. Die Celica ist ein echter Allrounder und nur auf sehr langen Geraden nicht mehr an der Spitze dabei. Dabei überzeugt sie mit herrlichem Sound. Frei von bösen Überraschungen und somit auch für Neulinge zu empfehlen.

Chevrolet Monza GTX

Smalblock V8 6096 ccm 711 nm 637 PS 1036 kg

... der "rasende Ziegelstein" ist die amerikanische Tourenwagenlegende schlechthin. Die federleichte Bauweise, der großartige Chevy-V8 in der Front und die mächtigen Bremsen sorgen für ein präzises und sehr schnelles Fahrverhalten. Lediglich mit dem Gas sollte man vorsichtig umgehen, da die hintere Starrachse giftiges Ausbrechen fördert. Dieser Wagen kann alles gut und nichts perfekt, ist dabei auch noch recht langstreckentauglich und lässt akustisch keine Wünsche offen. In der Hand eines Top-Fahrers kann er um die Spitze mitkämpfen.

Ford Mustang Cobra GTX

Cleveland V8 5752 ccm 717 nm 629 PS 1040 kg

... Fords Gegenstück zum Monza ist wahrlich keine Schönheit, mit diesem aber in so gut wie allen Bereichen gleichwertig. Der Ford liegt etwas besser und hat trotz der auf dem Papierschlechteren
Werte eine minimal höhere Beschleunigung, bremst aber nicht so gut wie der Chevy. Welchen der beiden amerikanischen Tourenwagen man also vorzieht, ist reine Geschmackssache. Einsteigern kann der Mustang auf jeden Fall empfohlen werden.

Porsche 935

B6 Turbo 2857 ccm 601 nm 593 PS 890 kg

... die früheste Version des unglaublich erfolgreichen 935 hat noch einige Kinderkrankheiten und landet in dieser Serie daher nur im Mittelfeld. Zwar liegt der Porsche recht gut, hat einen bärigen Drehmomentverlauf und spielt auf den Geraden immer noch in der ersten Liga mit, wird aber von so ganz Porsche-untypischen Problemen wie hohem Reifenverschleiß und schlecht dosierbaren Bremsen geplagt. Zumindest äußerst spritsparend ist er, so, wie es sich für einen Porsche gehört. Mit seinem herrlichen Sound und der tollen Fahrphysik ist der Porsche eines der interessantesten Fahrzeuge im Feld und in den richtigen Händen immer noch für den Kampf um die Spitze gut. Neulingen wird von diesem Boliden aber abgeraten.

Ferrari 512 BB LM

B12 4943 ccm 515 nm 582 PS 1130 kg

... das Einsteiger-Fahrzeug schlechthin. Der Ferrari überzeugt durch sehr präzise, sichere Straßenlage, auch wenn die Fahrwerksabstimmung grenzwertig hart ist, und durch den herrlichen Sound des Zwölfzylinder-Boxermotors. Durch die herausragende Aerodynamik seiner Langheck-Karosserie hat der Ferrari die größte Höchstgeschwindigkeit im Feld, obwohl der eigentliche Durchzug bestenfalls als mittelmäßig bezeichnet werden kann. Die Bremsen packen nur mäßig und etwas schwammig zu, ansonsten lässt der 512 fahrerisch keine Wünsche offen. Auf Langstrecken leidet er etwas am Reifenverschleiß und am unersättlichen Durst der 12 Töpfe. Bedingungslos jedem zu empfehlen

Ford Capri Turbo

R4 Biturbo 1745 ccm 468 nm 548 PS 770 kg

... dieser Traumwagen vieler Motorsport-Begeisterter ist eine perfekte, sauber durchkonstruierte Rennmaschine. Das zeigt schon die Tatsache, dass der Capri trotz seines winzigen Hubraums gut im bis zu viermal großvolumigeren Feld mithalten kann. Natürlich ist er speziell auf den Geraden nicht ganz vorne mit dabei, und kränkelt nach Spitzkehren am gewaltigen Turboloch sowie den recht schmalen Hinterreifen. Seine wahre Stärke liegt aber in der hervorragenden, präzisen Straßenlage, die vor allem durch den enormen Abtrieb verursacht wird. Hinzu kommen die außergewöhnlich starken Bremsen. Zudem ist der Capri das mit Abstand reifenschonendste Fahrzeug im Feld und somit speziell für lange Distanzen interessant. Jeder, der ein wenig Gefühl im Gasfuß mitbringt, wird mit Zakowski's Meisterwerk seine helle Freude haben.

De Tomaso Pantera GTX

Ford Cleveland V8 5752 ccm 714 nm 603 PS 1061 kg

... der wunderschöne Pantera ist der Underdog im Feld. Dabei bringt er eigentlich alles mit, was ein erfolgreicher Rennwagen braucht: einen drehmomentstarken V8 als Mittelmotor, unter der
leichten Kunststoffkarosserie ein Giterrohrrahmen, eine gewaltige, gut zu dosierende Bremsanlage, angenehm beherrschbares Fahrverhalten und gute Werte bei Verbrauch und Reifenverschleiß.Dennoch wird man ihn für gewöhnlich am Ende des Feldes finden, denn ... ja, hmm ... denn der starke Motor ist nicht ganz stark genug für das etwas zu hohe Gewicht in Kombination mit dem geringfügig zu hohen Luftwiederstand und der vielleicht etwas geringen Haftung auf der Vorderachse... es läppert sich. Ein rundum gutes Paket muss am Ende keine Spitzenzeiten liefern, ideal für unsichere Fahrer ist der Pantera trotzdem, zumal seine Defizite durch einen zünftigen Multiplikator ausgeglichen werden.