GTLegends and friends

Clermont Ferrand

Marcel Schümmer

Als hier noch mit Monposti um Ehre und Ruhm gefahren wurde hiess der GP Clermont Ferrand. Bei uns einfach nur schnöde Charade. Wir befahren die ältere und längere Variante die bis auf 3 Kurven nichts mit der aus der 2LTCC gemeinsam hat. Wer hier denkt er könne sich nach der IOM ausruhen hat sich getäuscht. Die Strecke ist zwar nur ein Drittel so lang, bietet aber genauso viele Möglichkeiten das Fahrzeug zu schrotten oder in ein Loch des Streckenbodens zu stopfen. Interessanterweise kann man an einer Stelle mit viel Schwung über eines der Löcher hüpfen und den anderen Fahrern vors Auto fliegen. Auf dem Dach, der Seite, verkehrt herum. Ihr werdet sie finden. Der geneigte Motorsortfan wird feststellen das die ersten 3 Kurven der Solitude sehr sehr
ähneln. Bin auf euer Feedback gespannt. Auf den Streckenverlauf und die weiteren Tücken dessen möchte ich hier nicht weiter eingehen. Der GC soll sein gewisses Potential an reizvollen und unbekannten Strecken nicht verlieren. Auch möchte ich euch nicht die Freude daran nehmen die Strecke unbedarft und ohne Vorwissen erkunden zu dürfen. Der Aha-und auch der Lerneffekt sind ungleich höher.

Mike Roller

Charade 1970, oder: Das schwarze Loch von Clermont
Frankreich ist schön. Wein, Käse, schöne, sinnliche Damen, kreatives Essen, wunderschöne Landschaften - und schwarze Löcher. Diese Entdeckung machten einige der 21 Fahrer der Gentlemen-Series auf dem hügeligen 8 Kilometern von Charade. Ein Kurvengeschlängel par exellence, mit viel Grün drumherum, eine echte Herausforderung für die Gaspedal-Quäler der GTL-Liga.

Enge Zweikämpfe erhöhen das Wir-Gefühl

Rennen 1 startete Thomas Weber mit einer starken 3,28,7 min von der Pole. Ein völlig verhunzter Start katapultiert ihn auf Platz 8 zurück, das Feld führen Frank Schuster, Ralf Stingl und Mike Horn an. Marcel Schümmer nutzt gleich die zweite Kurve für eine Begutachtung der Weidezäune rollt dem Feld etwas pikiert hinterher - obwohl die Zäune top waren. Stingel setzt sich wenig später an die spitze, Horn und Piper hinterher. Schuster, der ehemals Führende, testete kurz zuvor die Zauberkräfte seines Ferrari 250 GTO und ward nach einem sehenswerten Abflug in die Wildnis nicht mehr gesehen.

Frank Schuster im "freien" Flug

Michel Groteclaes nutzt einen Dreher mitten in der Sptzkehre zum besinnlichen Innehalten, was Tobi Dedes Healey aber sichtlich kaltverformt und zu einem Nachzügler macht. Im Mittelfeld kämpft Weber mit Wolfgang Roller, Peter Kilian wehrt sich gegen Lars Kuhlmann, die Recken sind sehr familiär unterwegs. Leo Kuhn schwingt seinen Aston Martin bei dem Versuch, ein eingezäuntes Schaf zu überfahren, weit auf die Weide. Schaf lebt, Aston Martin ist gefüttert, Kuhn weiter hungrig, aber noch im Rennen. Mark Ackermann kämpft sich derweil bis an die Spitze vor mit Herzblut und Schmackes, Thomes Weber im Schlepptau. In Runde 5 peilt Wolfgang Roller den Abhang an, verfehlt aber das versteckte Schwarze Loch um Milimeter. Ein bißchen Rangieren, und der Ferrari versinkt doch noch im Nirwana. Die Zweikämpfe werden intensiver, Weber kämpft sich zurück an die Spitze, Im Mittelfeld spielen die Mercedes 300SL von Jochen Richter, Jan Müller und Mike Roller Paarlaufen um die Plätze 11-13. In der letzten Runden animiert Dominik Pieper seinen 275 GTB zum Weitsprung und verlässt mit neuer Bestweite das Rennen. So gewinnt Thomas Weber vor Mark Ackermann, Mike Horn wird verdienter Dritter.

Doch schon in Rennen 2 wendet sich das Blatt. Frank Schuster erobert die Pole mit 3,27,9 min, muß am Start Pieper kurz ziehen lassen (schneller Gasfuß dank Doppelherz), kontert aber mit Power auf der Geraden. Dahinter sortieren sich Stingl, Weber und Horn ein. Weiter dahinter dreht Mark Ackermann seinen Vordermann Jan Müller, dieser posiert quer als Werbefläche auf der Fahrbahn, was Mark in die Wiese, Oliver Kilian im Triumph zu einem spektakulärem Überschlag nötigt, und alle drei ans Ende des Feldes wirft.

Oliver Kilians sehenswerter 360-Turn

Auch Michel Groteclaes dreht sich wieder an gleicher Stelle, dank Übung aber diesmal weit eleganter, ohne Tobi Dede zu treffen. Eine Runde weiter peilt Wolfgang Roller wieder sein Schwarzes Loch an, trifft es diesmal gleich im ersten Versuch und scheidet triumphierend aus dem Rennen aus.

Oliver Kilian kämpft sich derweil durch Feld, Mark Ackermann im Nacken, und beißt sich eine Runde lang die Zähne an Mike Roller aus, der seinen Rückspiegel mit Chateau Briand behängt hatte. Auf der Anhöhe vorm Ziel geht Olli vorbei, weiter Mark am Auspuff schnüffelnd, und schmeißt seinen Wagen, von Rausch der nun möglichen freien Fahrt überascht, über eine Anhöhe ins Tal. Weber tut es ihm eine Runde später gleich, rutscht mit dem Wagen etwa 500 Meter ins Tal, durch eine Weinberg eine Schneise ziehend, was ihm den Unmut der dort Trauben lesenden Bauern zuzieht. Ralf Stingl, aussichtsreich im Spitzenfeld liegend, dreht sich weiträumig, verpasst einen Zeitmeßpunkt und verliert so eine Runde, wird auf Rang 19 weitergeführt. In Runde 6 trifft auch Daniel Plüss das Schwarze Loch, nunmehr "dem Wolle ihr sein Loch" genannt. Sein Rennen endet hier abrupt. Peter Kilian versucht, noch Mike Roller im Kampf um Platz 10 abzufangen, muß aber einem plötzlich auf die Strecke schießendem Gänseblümchen ausweichen, rasiert eine Böschung weg, durchbricht eine Züchtung französischer Edelrosen, verseucht einen Teich mit unbezahlbaren Koi-Karpfen, bevor sein Auto rchelnd verendet. Dem Gänseblümchen ist aber nichts passiert, es geht ihm bis auf eine postraumatische Belastungsstörung recht gut. So gewinnt am Ende Frank Schuster souverän vor Dominik Pieper und Mike Horn.

Eine enge Kiste bis ins Ziel

Zitat: "Die Lücke, die er hinterließ, ersetzte ihn vollkommen!"