GTLegends and friends

Westwood Park

Wenn es in dieser Saison eine Strecke gibt, die mir in Sachen erste Runde richtig Angst macht, so ist das ganz klar Westwood Park. Der knapp 3 Kilometer lange Kurs wurde bereits im Juli 1959 eröffnet und war somit - bis zu seiner Schließung 1990 - Kanadas älteste, permanente Rennstrecke. Interessanter als das eigentliche Alter ist, dass Westwood im Gegensatz zu anderen Strecken nie größere Umbaumaßnahmen über sich ergehen lassen musste, und sich so immer noch in seinem urtümlichen Layout präsentiert. Irgendwie merkt man das schon auf den ersten Metern. Westwood
hat ein ganz eigenes Flair und macht unglaublich viel Spaß, ist aber auch - wie zu Beginn angedeutet - extrem fordernd gegenüber den Fahrern. Das Ganze beginnt mit einer gefährlich dicht gepackten Startaufstellung. Hier heißt es: unbedingt zurückhaltend starten, bremsbereit bleiben, auf keinen Fall ohne Spiegelblick die Linie wechseln und im Notfall lieber von einem Angriff absehen. Die erste Kurve ist schnell und stark überhöht, gut geeignet also, um sich schonend einzusortieren. Denn mit der folgenden Haarnadel ist der erste, perfekt für Verbremser geeignete Ort erreicht. Steigt hier mit Rücksicht auf den Vordermann lieber ein paar Meter zu früh auf die Bremse. Die anschließende, weite und ungleichmäßige Rechtskurve ist eine der schwierigsten und entscheidensten Passagen überhaupt. Hier gilt es, so viel Schwung wie möglich auf die sehr lange Gerade, den besten Überholpunkt der Strecke, mitzunehmen. Nochmals Vorsicht ist dann an deren Ende geboten. Das Unheil droht in Form einer heftigen, bergab führenden Anbremszone, bei der zu allem Überfluss die schwarzen Reifenabriebsspuren zu spät beginnen. Wer sich daran orientiert, fliegt ab.
Der Rest von Westwood besteht aus einem wunderschönen Geschlängel, dessen einzige Schwierigkeit die allerletzte Kurve darstellt, die einen - wenn man zu schnell ist -direkt in die Boxengasse oder noch schlimmer in die Boxenmauer hinausträgt.

Rennen 1

Rennen 1: Robert Schauderna ließ die Sache entspannt angehen. Platz 3 im Qualifiying, das war die perfekte Ausgangsbasis. Nach einem guten Start saß er gleich seinem Vordermann Oliver Kilian im Nacken. Zwei Kurven weiter ein kleiner Stupser, der Kilian optisch unelegant in Grün drehen lässt. Robert fährt als nun Zweitplatzierter weiter, Dete Preisig im Nacken. Oliver setzt derweil das Rennen als 20 fort, wühlt sich wie ein zypriotischer Spekulant im Tresorraum durchs Feld. Während Valdez gefahrlos die Spitze innehält, erwehrt sich Roberts den wilden Attacken Preisigs an seiner Kofferraumklappe. In Runde 4 verabschiedet sich Josef Edlbergmeier aus dem Kreise der schnell Kreisenden. Frank Schuster sortiert sich nach einem kleinen Handgemenge auf Rädern auf Platz 13 wieder ein. Robert wehrt sich immer noch. Dete sticht links in die Lücke, Robert kontert.

Dete sitzt auf der Geraden im Windschatten, Robert hält dagegen. Auch Dominik Piper reiht sich nach einem Scharmützel frustriert am Ende des Feldes ein, Peter Kilian trägt die Früchte eines Ausrittes kurz darauf in den Händen. Oliver Kilian hat sich nach 12 Runden wieder in die Top10 zurückgekämpft. Kurz danach zertrümmert Michel Broseit sein Gefährt, für Volker Borghardt ist das Rennen in Runde 16 vorbei. Derweil verteidigt sich Robert Schauderna immer noch tapfer gegen Dete Preisig. Kurz vor Rennende, in Runde 22, kommt es zu einem verhängnisvollem Überrundungsmanöver, bei dem Robert unsanft von der Strecke staubt und im Reifenstapel landet. Lohn der Anstrengungen: Platz 10. Die folgende Aufholjagd ist unspektakulär, lediglich der Ausfall von Ramon Hofer bringt noch ein Plätzchen. Wolfgang Roller rollt ohne Sprit eine Runde vor Schluss aus. Gert Ackermann erwischt es in eben jener Runde, als seine Aufhängung das Zeitliche segnet. Nato Valdez siegt vor Detlef Preisig und Jochen Richter.

Intermezzo: So ein Stoßdämpfer hat es nicht leicht. Bekommt dauernd Schläge, muss allen Druck immer klaglos abfedern können, und das rundenlang. Wenn man nun noch Stoßdämpfer am Wagen von Marcel Schümmer ist, der in Rennen 2 im 1969er BOSS 302 Mustang seinem Fahrwerk gegenüber rücksichtslos durch die Asphaltwüste prügelt, ist das Leben oft nicht lebenswert. Nach gefühlten 325776 Schlägen und Tritten entschließt sich unser Stoßdämpfer vorne rechts, einfach mal Druck abzulassen. Und da ein Stoßdämpfer nicht wie ein Mensch duftende Analwinde verströmen kann, nimmt er halt ÖL. Und zwar am Ende von Runde 17…….in suizidaler Absicht, wie Marcel Schümmer feststellen wird.

Rennen 2

Rennen 2: Jochen Richter sichert sich die Pole vor Nato Valdez und Oliver Kilian. Leo Kuhn drängt es nicht ganz so weit nach vorn, er startet von Platz 24 aus ins das Rennen. Sein 71er Chevrolet Camaro Z28 scharrt nervös mit den Hinterrädern, als die Startampel erlischt. Schüchtern nagelt er durchs hintere Mittelfeld, bis plötzlich Jürgen Dost ihm ganz selbstlos einige Einblicke in die alternierenden Wachstumsphasen der an der Strecke blühenden Orchideenarten verschafft. Nach diesem botanischen Exkurs jagt Leo dem Feld hinterher, profitiert dabei von Ausfall Dosts und einem kapitalem Dreher von Marcel Schümmer. Kurz danach streicht auch Johannes Peiter die Segel, nachdem sich die Konsistenz seines Wagens auf einige Quadratmeter verteilt etwas instabil zeigt.
Marcel Schümmer allerdings schnappt sich wieder unseren Leo, der so weiterhin auf Platz 23 verharrt….bis…ja bis allerdings Andreas Kalupka vor ihm auftaucht und aufgrund einer gewissen Immobilität kurzzeitig jeglichen Vorwärstdrang vermissen lässt. Was Andreas allerdings 2 Runden später schweigsam korrigiert. Die Spitze verteidigt weiterhin Nato Valdez, hinter ihm allerdings bleibt die Position zwei umkämpft. Leo Kuhn prügelt sein Auto weiterhin gnadenlos um den engen Kurs, undankbarerweise ohne Platzgewinn. Bis freundlicherweise Marcel Schümmers Fahrwerk das lustige Lego-Spiel spielt – „Wie viele Teile sind das denn, lasst uns mal gucken“. In Runde 25 rächt sich, das Wolfgang Roller wieder der Sparsamkeit willens an der örtlichen Castrol-Demenz-Tankstelle getankt hat, es fehlen ihm exakt 12 Liter im Tank, um die letzte halbe Runde noch fahren zu können. Leo erkämpft sich so nach Dreher und Boxenstopp noch Platz 23 in er Endauswertung des Rennens, das Nato Valdez vor Jochen Richter und Dominik Pieper gewinnt.