GTLegends and friends

Mosport - Canadian Tire Motorsport Park

Kanada liegt weit oben, ist weltweit bekannt durch die Mounties, durch Husky-Schlittenhunde und guten kanadischen Whiskey. Dazu kommen noch 3,97 Kilometer anspruchsvollster Asphalt, handgeklöppelt und seit 1961 Austragungsort aller bekannten internationalen Rennserien, nachdem Sam Bird mit seinem Triumph TR3 am 3. Juni 1961 die Ziellinie als erster Sieger überquerte. Mosport! 10 Kurven in einer spektakulären Berg- und Talfahrt, mit der Maria-Andretti-Straightaway als Highspeedgerade und der Moss-Corner als langsamste 180°-Kurve. Geradezu magnetisch zieht so eine Motorsport-Legende unter den Rennstrecken auch die Racersleague-TranAm-Serie an. Blubbernde V8-Boliden mit mehr Leistung als Haftung, tollkühne Männer in ihren fauchenden Kisten, Fahrkunst und Improvisation im Parallelflug. Begleiten Sie uns in zwei nervenzerreißende Sprintrennen.

Der 65er Ford Mustang TA scharrt schon mit den Hufen, bevor es mit qualmenden Reifen vom Start weg in die erste schnelle Kurve geht, hinab in eine Senke mit der nach links verlaufenden Clayton Corner, die sich weiter verengt, bevor es an der nächsten kleinen Steigung rechts in die Quebec Corner geht. Wieder talwärts links herum, dann hinauf in die enge Moss Corner rechts herum bis in den ersten Gang, dann leicht links auf die lange, hügelige Mario-Andretti-Straightaway, die Platz und Zeit für waghalsige Überholmanöver bietet. Am Ende geht es erst rechts, dann links in The Esses, bevor uns die White Corner im scharfen Rechtsknick zurück auf die Zielgerade bringt. Das ist der Moment, wo der Mustang-Fahrer mit einem brummenden Tinnitus, tränenden Augen, schmerzenden Händen , Muskelkater in den Beinen und zerbissenen Lippen die zweite Runde in Angriff nimmt - von 23 Gesamtrunden. Also nichts für Menschen, die Wert darauf legen, ihre Rente im Stehen zu verjubeln.

Rundenzeiten? Gibt es. Die 1:06, 371, die Marco Werner mit seinem Audi R10 TDI anno 2007 bei der American LeMansSeries in das Pflaster brannte, ist wegen der durchschnittlich 216, 962 Km/h wohl doch etwas flott für historische amerikanische MuscleCars. Aber 1:28er Zeiten sind mit den unberechenbaren und technisch simplen Boliden drin.

Die Fahrer?

Nun, Versicherungsanstalten haben schon einstweilige Verfügungen erwirkt, um diesen Typen weiträumig aus dem Weg zu gehen. Teilespezialisten für US-Cars rollen den roten Teppich aus. Die Groupies würden ihre Kleider vom Leibe reißen, wenn es welche gäbe. Tankstellenbetreiber sehen die Fahrer öfter als ihre Ehefrauen. Aber eins haben die Jungs zwischen 15 und 68 Jahren gemeinsam: Spaß am Rennenfahren in Wagen, die Verkehrssicherheitsexperten als blechgewordenes russisches Roulette bezeichnen würden.
Nato Valdez, der feurige Südländer im 70er Pontiac Firebird TA.
Volker Borghardt, der coole Cruiser im 69er BOSS Mustang.
Dominik Pieper, der entspannte Siegfahrer im gleichen Modell.
Oliver Kilian, der Berliner mit den Zauberhänden am Lenkrad im Mercury Cougar.
Thomas Edlbergmeier, die eine schnelle Hälfte des Alpenduos um 67er Chevy Camaro SS.
Jochen Richter, der Mann, der Rentner beim Bremsen hilft, im 70er Dodge Challenger.
Detlef Preisig, ein Fahrer, der sogar Rasenmäher zu Höchstleistungen bringt, im 65er Mustang.
Marcel Schümmer, der automobile Sushi-Fan, im 69er BOSS Mustang.
Josef Edlbergmeier, Teil 2 der Süddeutschland-Fraktion, im 67er Camaro SS.
Robert Kruppert, der Geschwindigkeit mit Erfahrung paart, im 71er AMC Javelin.
Michel Groteclaes, der menschgewordene gestrickte Gasfuß, im 65er Mustang TA.
Mark Ackermann, der Youngster und Favoritenschreck, im 71er Camaro Z28.
Heiko Scheuermann, der Kämpfer, der nie aufgibt, im 71er Camaro Z28.
Gert Ackermann, der nette Kumpel, der auch austeilen kann, auch im Z28.
Mike Roller, der im Sauerland auf Trecker gelernt hat, im Ford Falcon TA.
Jürgen Dost, der lebensälteste Junggebliebene im 71er AMC Javelin.
Andreas Kalupka, der aus Kurven Geraden machen kann, im 67 Camaro SS.
Lars Kuhlmann, der Teamkollege von Kruppert im Elbe-Donau-Team, auf 67er Camaro SS.
Tobias Dede, der rasende Botenjunge, im 69er BOSS Mustang.
Johannes Peiter, der unauffällig aber hartnäckige Verfolger auf 71er AMC Javelin.
Dazu noch Namen wie Peter Kilian oder Wolfgang Roller, die ihren Konkurrenten erst etwas Schonzeit gönnen wollten und in den nächsten Rennen die Asphalt glühen lassen.

Dazu am Mikro Heiko Stritzke, der mit Sachverstand und lockeren Sprüchen die Rennen live moderiert.

Die Rennen? Aber so was von...

Rennen 1: Es waren nur sechs Zahlen, die Volker Borghardt ein Lächeln ins Gesicht zauberten. 1:28, 156 Minuten. Seine Pole-Zeit. Der BOSS Mustang lief, und Volker bewies einmal mehr seine Klasse. Doch sein Rückspiegel verriet, das die Banane noch nicht gepellt war. Nato Valdez, Marcel Schümmer, Dominik Pieper, Oliver Kilian, Thomas Edlbergmeier, Jochen Richter, Lars Kuhlmann, Detlef Preisig, Robert Kruppert, um nur die neun härtesten Verfolger zu nennen. Start frei zum Debütrennen der TransAm-Serie! Nato Valdez erwischt den Druckpunkt seiner Kupplung am besten, schnellt entschuldigend lächelnd an Volker vorbei, der Platz 2 dank genug Motorleistung verteidigen kann. Im hinteren Mittelfeld unterschätzt Heiko Scheuermann die Fliehkräfte seines dröhnenden Blechklumpens und vergrößert den Kurvenradius mit Hilfe der Wiese, erntet so Platz 20 am Ende des Feldes. Robert Kruppert wehrt sich mit Socken zwischen den Zähnen gegen den hart attackierenden Mark Ackermann im Kampf um Platz 10. Knapp dahinter Michel Groteclaes und Josef Edlbergmeier, der sich schon vom letzten Stratplatz nach einer Runde bis auf Rang 13 vorgekämpft hatte. Einen Umlauf später hatte Josef auf der Geraden schon Groteclaes, dem es etwas an Motor-Power mangelt, und Mark Ackermann, der noch nach der Traktion am Kurvenausgang sucht, geschnupft. Johannes Peiter hatte zwischenzeitlich schon Zwiesprache mit einem Reifenstapel gehalten und durch den resultierenden Boxenstopp die rote Laterne übernommen. Teamkollege Jürgen Dost derweil drängelt hinter Mike Rollers Ford Falcon, dessen unscheinbare Power ihm aber durch manche Kurve und Gerade hilft.
In Runde 3 allerdings wirft Peiter das Frottee-Tuch und stellt seinen ramponierten Wagen in der Box ab. Kurz zuvor quetschte sich Borghardt am Ende der langen Geraden an Valdez vorbei und übernahm die Führung. In der vierten Runde klinkt sich Tobias Dede mit technischen Problemen aus dem Renngeschehen aus und geht griechisch grillen - ohne Kohle.
Elf Runden nach Erlöschen der roten Startampel überholt Oliver Kilian seinen Kontrahenten Dominik Pieper im Kampf um Rang vier. Lars Kuhlmann hingegen verteidigt lange seinen Top-Ten-Platz, als er sich kurz nach der Boxeneinfahrt direkt an den Typ mit dem Abschleppwagen wendet und seinen Wagen kunstvoll verkeilt. Fünf Runden vor Schluß nutzt Nato Valdez einen Ausritt von Borghardt in der Moss Corner, um sich die Führung zurückzuholen und bis zum Ende zu verteidigen. Platz zwei geht an Volker Borghardt vor Dominik Pieper und Oliver Kilian. Marcel Schümmer fiel auf Rang 8 zurück, Josef Edlbergmeier sensationell 9. (vom letzten Platz aus!), und Mark Ackermann musste sich mit Endrang 12 begnügen. Aber Rennen zwei bot neue Chancen.

Rennen 2: Mit einer 1:28, 094 Minuten setzte Nato Valdez die Polezeit noch etwas tiefer als im Rennen davor. Jochen Richter, Oliver Kilian und Marcel Schümmer knapp dahinter. Einige Fahrer waren zwischenzeitlich auf ihren Zweitwagen ausgewichen, so z.B. Volker Borghardt auf den Ford Falcon. 20 von 21 Fahrern quittierten das Erlöschen der Startampel mit starkem Gummigeruch und Höllenlärm, lediglich Frank Waschke diskutierte noch mit den Streckenkommissaren, ob Steve McQueen mit seinem Mustang nun cooler war als Louis de Funés in einem Ami 6.
Im Startgerangel kann Valdez nach 3 Kurven seinen Führungsplatz verteidigen, vor Jochen Richter, der noch etwas tiefenentspannt Richtung Rennen geschlurft war. Für Oliver Kilian endet ein erster Angriffsversuch erst im Gras, dann im Mittelfeld auf Rang 11. In Runde drei ist Volker Borghardt derart von der Schönheit der kanadischen Natur überwältigt, das er kurz im Kies verweilt und auf Platz 7 zurückfällt - bis Marcel Schümmer, mühsam Platz 6 erkämpfend, in der The Esses stumpf in die Begrenzung dengelt und sich als 13. wieder einreiht. In Runde 5 zertrümmert Oliver Kilian seinen
Dodge Charger in der Senke nach Start-Ziel und scheidet aus. Im hinteren Mittelfeld balgt sich Andy Blitz erst mit Mike Roller, dessen unerwartetes Eingrätschen in die Innenbahn zu einem plötzlichen Verreißen und damit verbundenen Platzverlust mangels Streckenbezug führt. Einige Ausrutscher später stellt Andy seinen deformierten Hobel in die Box. Johannes Peiter verlässt die Traktion, der Grip und das Glück in Runde 1, indem er seinen Dienstwagen ungebremst in den Reifenstapel rammt. Frustriert schleicht er in die Box und spült den Ärger mit einem selbstgemixtenGurke- Banane -Rotwein-Mix herunter. Den Reigen der Ausfälle setzt Mark Ackermann fort, während Jochen Richter mittlerweile das Rennen anführt. Mark Stellt sein nach einigen Körperkontakten waidwundes und damit unfahrbares Auto gegenüber der Boxengasse in den Kies und verkauft die Einzelteile an die Fans. Den Abschluss bringt Tobias Dede, der wieder eine Runde später den 69er BOSS Mustang bei der Verfolgung seines Teamkollegen Gert Ackermann bei dem Versuch, eine Kurve zu begradigen, tötet. Nato Valdez lümmelt sich nach einigen Unwägbarkeiten im Mittelfeld herum. Am Ende gewinnt Jochen Richter souverän vor Volker Borghardt und Dominik Pieper. Detlef Preisig wird Fünfter vor Nato Valdez, Gert Ackermann wird 10.