GTLegends and friends

Longford

Einleitung

Das wird der größte Leckerbissen der Saison - wenn auch nicht ganz einfach. Die Rede ist natürlich von Longford, einer heute längst vergessenen Naturrennstrecke im Norden Tasmaniens. Der Kurs ist einfach fantastisch. Auf rund 7 Kilometern geht es unter Eisenbahnbrücken hindurch und über Flüsse, mit über 250Km/h auf schmalen Landstraßen vorbei an Kuhweiden und Obstplantagen, im
wilden Drift durch ein kleines Örtchen und mit vier Rädern in der Luft im wilden Sprung über eine kreuzende Bahntrasse. Das gibt es so nirgendwo sonst. Vor allem der erste Streckenabschnitt hat es in sich. Es ist der schmalste Teil der Strecke, in Parallelfahrt nur mit äußerster Disziplin zu meistern, und ohne jede Auslaufzone. Wer sich vertut landet am Brückenpfeiler,im Sumpf oder in der Baumplantage. Ab der kleinen Ortschaft wird es dann deutlich breiter und unglaublich schnell. Gefährlich ist hier vor allem das einschätzen des richtigen Bremspunktes, an den schwarzen Abriebsspuren auf der Strecke kann man sich nicht orientieren. Glücklicherweise sind Auslaufzonen vorhanden - in Form eines offenen Gatters auf die nächste Weide, wo man gemütlich wenden kann.

Reportage

Longford – Destruction Derby auf Tasmanisch
Australier sind von Natur aus ein skurriles Volk. Besonders die Gegend um Tasmanien ist für Besonderheiten berühmt, nicht nur für den tasmanischen Teufel, einer sehr humorlose Beutelratte. Die Rennstrecke in Longford, ein beschauliches Kaff im Nirgendwo, ist im Grunde keine Rennstrecke, sondern eine sieben Kilometer lange Odyssee durch heimelige Dörfer, weite Landstraßen und fiese Sümpfe. Brücken, Bahnübergänge, enge Kurven, renitente Omas mit Rollatoren und auf Goodyear-Reifen abgerichtete Dingos versüßen das Ganze. Ring frei also für den vierten lauf der TranAm-Serie der racersleague.

Poleman Nato Valdez blickte dem Geschehen hinter sich gelassen entgegen. Sein erster Verfolger war ein überraschend starker Michel Broseit, dahinter Jochen Richter, Oliver Kilian, Marcel Schümmer und Robert Schauderna. Alles Siegfahrer. Also kein Grund zur Sorge, das würde ein Spaziergang. Der Start verlief gefahrlos reibungslos. Aber ab Runde 2 begann das große Musclecar-Sterben. In Runde 2 erwischte Jochen Richter die Kurve nicht und nutzte die Ausfahrt für ein geselliges Hinterhof-Sightseeing. Auch Michel Groteclaes musste aufgrund eine temporären Unpäßlichkeit Teile des Feldes wehrlos vorüberziehen lassen. Ein weiteres Scharmützel unter der ersten Brücke zwischen Marcel Schümmer und Michel Broseit endete für Ersteren mit dem Ableben seines Fortbewegungsmittels, während Zweiterer sich von der kleinen Brücke ins Moor stürzte, um der Schmach des Ausfalls zu entgehen. Allerdings reichten 12 cm Wassertiefe nicht aus, um den BOSS302 Mustang komplett zu versenken. Jochen holte derweil tüchtig auf, bis plötzlich Mike Roller vor ihm auftauchte. Auf der Geraden war kein Vorbeikommen, doch beim Anbremsen zur nächsten Kurve sollte es geschehen. Nun begab es sich, dass so ein Ford Falcon TA etwa so vorhersehbar bremst wie ein Elefant auf Ecstasy im Bahnhofsklo in Köln-Deutz. Das Schlachtschiff mit dem irreführend agilen Snoopy auf den Türen verzögert raumgreifend, Jochen staunt ob der faszinierend langsamen Masseträgheit und, dabei auf dem Gas verbleibend, reicht ein kleiner Stups, um Vordermann Mike nach einer kurzen Flippertisch-Einlage zu einem Parkplatz auf einer eingezäunten Weide zu verhelfen. Arg ramponiert, Mike mit einem Weidegatter im Schlepptau, schleichen beide zur Box. Nato Valdez führt das Rennen fürderhin weiter an, mit Oliver Kilian und Josef Edlbergmeier im Nacken. Jürgen Dost allerdings spielt David Copperfield und verschwindet einfach. Gerüchten zufolge soll man ihm seinen Wagen während des Rennens in einem laufenden Überholmanöver gestohlen haben. Zeugen berichten von einem verwirrt dreinblickenden Mann älteren Semesters, der auf einer Kuh reitend versuchte, sich neben einem parkenden Trecker in Position zu bringen

Nato an der Spitze, Oliver Kilian nur wenige Meter hinter sich wissend, verliert kurz die Konzentration, damit auch die Lenkpräzision und schließlich rasenbedingt die Bodenhaftung. Ein satter Einschlag in einem Zaun, danach ein weiterer Treffer mittschiffs durch den nachfolgenden, völlig überraschten Oliver Killian, und Natos Dienstfahrzeug neigt sich ähnlich dem Schlachtschiff Bismarck der Ewigkeit darnieder. Wolfgang Roller und Josef Edlbergmeier nutzen eine Unachtsamkeit von Lars Kuhlmann zur Positionsverbesserung Richtung Top Ten aus. Der jüngere Edlbergmeier spielt Flaschenöffner und ploppt mithilfe eines Zaunpfostens spektakulär seinen rechten Vorderreifen weg. Lars Kuhlmann wird von Leo Kuhn überholt, Jochen Richter lässt Mike Roller passieren, und in Runde 10 entscheidet sich Lars, noch die Bilder von gestrigen Rockkonzert im Kopf, zum Stagediving samt Auto in eine jubelnde Menge Ameisen am Strassenrand. Robert Schauderna überholt Oliver Kilian und übernimmt die Spitze….für eine halbe Runde, als sein Wagen plötzlich stehenbleibt. Eine plötzlich auftretende Kraftstoff-Dehydrierung im Haupttank wird als Ausfallgrund diagnostiziert. Dominik Pieper, ebenfalls in der vorletzten Runde, rammt seinen Boliden in einen handgeklöppelten Weidezaun, was sein Triebwerk mit stoischem Schweigen quittiert. Aber auch die letzte Rennrunde sorgt noch für Aufsehen. Mark Ackermann überholt Oliver Kilian und rast dem ersten Sieg entgegen. Papa Gert Ackermann versucht gleichzeitig, seinen Platz 7 zu verteidigen, was aber Josef Edlbergmeier mit einem etwas zu forschen Überholansatz vereitelt. Mit einem sehenswerten Feuerwerk sorgt Gert damit noch für aufsehenerregende Lichteffekte kurz vor der Zielgeraden. So siegt Mark Ackermann vor Oliver Kilian und Robert Kruppert in einem verlustreichen ersten Rennen.

Rennen 2, ähnlich ruhiger Einstieg. Polesetter Oliver Kilian startet vor Marcel Schümmer und Nato Valdez. Am Ende der unspektakulären ersten Runde verbremst sich Wolfgang Roller, rollt danach das Feld von hinten auf und jagt hinter Jürgen Dost und seinem Sprößling Mike Roller hinterher. Am Ende der zweiten Geraden bremst er später als Jürgen, setzt sich daneben. Nun bremste Jürgen just aus dem Grunde so früh, da man mit weniger Geschwindigkeit die Kurven besser nehmen kann als mit Vollgas. Sohn Mike, ähnliche Überlegungen anstellend, spürt daher einen kräftigen erzieherischen Schlag im Kofferraum und wickelt sich um einen Leitungsmasten. Sein Motor denkt sich, hier gibt’s genug Strom, dreh ich mal den Saft ab. Auch Leo Kuhn muss sich, allerdings mit glücklicherweise laufendem Motor, nach einen Dreher wieder hinten anschließen. Während Oliver Kilian weiterhin führt, verraucht Frank Schusters US-Import einsam an einem Stück sehr stabilem australischem Buschholz in Runde 5. Eine Runde weiter erwischt es Michel Broseit und Dominik Pieper, der kurz vor der Zielgeraden einen Erdwall unterwandern will. Marcel Schümmer muss Nato Valdez und Jochen Richter ziehen lassen und ist Vierter. Dann allerdings versenkt erst Mark Ackermann seinen Wagen im örtlichen Moor, aber auch Nato Valdez kann aufgrund einer Disqualifikation den Wagen nicht ins Ziel bringen. Marcel Schümmer erobert Platz 2 zurück, während Robert Schauderna auch den beliebten Sumpf an der Strecke aufsucht, allerdings weiterfahren kann. Einige wenige Runden später sieht Oliver Kilian als erster die Zielflagge, vor Marcel Schümmer und Jochen Richter.

Und die Einwohner Tasmaniens? Rätseln noch heute, wie man mit so lauten und kleinen Treckern einen Acker pflügen soll.