GTLegends and friends

Sachsenring

Ein Idyll, 20 Kilometer westlich von Chemnitz auf dem Gebiet der Gemeinde Oberlungwitz bzw. der Stadt Hohenstein-Ernstthal gelegen. Partnerstadt ist Hockenheim.... wer hätte das gedacht. Die Strecke ist eher den Zweirad-Anhänger bekannt, unzählige WM-Läufe zeugen davon. Mit vier Rädern hat der Ring erstaunlich wenig zu tun. Erstaunlich für eine Strecke die eigentlich schon über 100 Jahre Motorsport beherbergt. Schon um 1900 wurden auf dem Gebiet erste Motorradrennen ausgetragen und mit Gebiet meine ich das fast 9 Kilometer lange und vor allem sehr schnelle originale Layout. 1927 bekam der Circuit dann auch seinen offiziellen und bis heute gültigen Namen. 140'000 Zuschauer säumten damals die Strecke und beklatschten begeistert die Rennakrobaten auf ihren
tollkühnen Rennrädern. Nach dem Krieg ging es 1950 weiter, mit bis zu400'000 Zuschauern und Rennen auf zwei Rädern mit..... und ohne Motor. Von Rennwagen ist nichts zu sehen, erst Anfang /Mitte der 60er versucht man zaghaft Serien zu etablieren, aber ohne grossen Erfolg und das gilt, von der Master-Serie abgesehen, eigentlich bis heute.

1971 passierte sonderbares. Man verzichtete freiwillg auf den Motorrad-WM-Status weil...... ja weil man den damals führenden Braun patriotisch unterstützte indem man ihn frenetisch zum Sieg schrie und danach lauthals die deutsche Hymne mitsang. Gut in dieser auch vom kalten Krieg geprägten Zeit sah man das Angesichts noch nicht all zu fern liegender Zeiten mit gemischten Gefühlen.
Was heute gang und gäbe ist, erzeugte wohl ein Unbehagen und dem Risiko "politisch inkorrekter Situationen" wollte man sich nicht aussetzen. So blieb die Strecke den DDR-eigenen und lokalen Rennserien auf 2 und 4 Rädern vorbehalten und weil die Leistung selbiger mit den renngefährten im Westen nicht mithalten konnten, waren auch kaum zeitgemässe Sicherheitsvorrichtungen nötig. Ich meine, weshalb sollte man bei Rennen mit einem Trabant, Wartburg, MZ oder Melkus neuzeitliche Kiesbeete von 50 oder mehr Metern anlegen? Den Zuschauern war recht, dem Finanzverantwortlichen der Strecke sowieso.

Dann dankte Honecker und seine Kumpels ab, die Mauer fiel. Mit ihr fiel auch der Sachsenring, den jedwelcher westlich motorisierte Rennfahrer musste angesichts des Sicherheitsdispositives ein
Trauma ereilt haben. Wo früher vielleicht mal 80 PS auf die kehre zukamen warens jetzt 10 Mal soviel, nein das ging nicht, der Ring wurde dicht gemacht. 1996 wurde die Strecke wieder eröffnet
und hatte streng genommen mit der alten Strecke nichts mehr gemein, nein nicht eine Kurve, nicht eine Gerade.....nichts. Trotzdem wurde ein interessantes Layout geschaffen, ansprechend, leicht zu fahren aber schwer zu meistern. Mit Grauen denke ich schon jetzt an diese Vierfach-links, wie es unseren Abriebmonstern dabei geht wage ich nicht zu erfassen. Der Ring hatte zwar seine originale Strecke verloren aber nicht den Glanz alter Tage und was auf dem Nürburgring und in Hockenheim überhaupt nicht funktionierte, klappte hier auch nach etlichen Jahren wieder aus dem Stand heraus. 1998 kehrte der WM-Tross der Zweiräder nach deprimierenden und kaum beachteten Events auf den anderen beiden deutschen Traditionskursen nach Sachsen zurück. Mit gutem Grund. Der Sachsenring ist einfach eine Motorradstrecke, 200'000 Zuschauer beweisen das alljährlich. Das soll aber nicht stören, denn auch hier erwartet uns nach der Vollgasschlacht zu
Bern ein heisses Rennen.