GTLegends and friends

Oulton Park

1752, Oulton Hall irgendwo im Norden Englands. Phillip Egerton, ein Jahr zuvor durch den Tod seines Onkels in Besitz des prächtigen Landsitzes Oulton Hall gekommen, wischt sich den Staub von Hose und Stiefeln, bevor er sich seinem Tee widmet. Die Arbeiten schreitten voran und schon bald war der letzte klinkerstein gesetzt, die Mauer die sein ganzens Grundstück ummantelte fertig. Natürlich machte er das nicht selber, im 18. Jahrhundert herrschten klare Hierarchien, der Adel befahl, das Bürgertum lief. Mittlerweile begann sich der unterste Stand zur Wehr zu setzten, aber davon ein anderes Mal. Ein leichter Teegeruch schwängerte die Luft, in der Zeitung wurde Benjamin Franklins Erfindung des Blitzableiters gefeiert und es ist kaum anzunehmen das er auch nur die geringste Ahnung hatte welche Düfte ziemlich genau 300 Jahre später an gleicher Stätte durch die Luft zogen.

Zig Generation später, 1925 oder 1926, man weiss es nicht so genau, brannte der Adelssitz bis auf die Grundmauern nieder. Was blieb war eine wunderschöne Parklandschaft, Monumente, Pavillons und eben diese Mauer, kurz ein liebevoll entworfenes und gepflegtes Juwel britischer Landschaftskunst, welches noch heute Bestandteil mancher farbenfroher Bildbände und Schulstoff angehender Gartenplaner ist. Nun, liebevoll ist es immer noch, die Landschaft, die Wälder der kleine See und ich würde meinen das nicht weniger liebevoll als damals Hand angelegt wird. Statt biologischer Finessen, gieren Vergaser und Radaufhängungen nach kompetenter Hand. Kurz, es hat sich nicht viel geändert.... es wurde nur lauter.

Nach dem Brand kümmerte sich die Army um das Gebiet, später lag es brach bis der lokale Carclub auf die Idee kam, eine kleine Strecke in das Gebiet zu planen..... in das Gebiet und nicht umgekehrt. Diese kleine Geschichte kann auf so viele Strecken in England gemünzt werden, zumindest wenn ein "Park" im Namen vorkommt. Ich kenne einen "Spinner", der arbeite ja soweit die Zeit reicht an seinem Streckenkompendium und weil ihm damals die Tracks in GB gefielen und die Britischen Inseln sowieso das Mutterland des Motorsports sind, begann er damit in England..... und er ist immer noch da. Mittlerweile kommen inklusive Hillclimbs 237 Strecken zusammen und dann gibts noch ein paar Hände voll, die verifiziert werden müssen. Alle Strecken sind feinsäuberlich kartographiert und werden ausgeplottet einen Plan von 2*3 Meter ergeben. Gut ich schweife ab, denn was ich sagen wollte: Es gibt eine menge Strecken die in einem Park eines alten Adligengeschlechtes angelegt wurden. Donington, Cadwell, Wiscombe, Finlake, Loton, Thoresby, Malory, Heyford, Blyton und und und und.

Beim Input "England" und "Motorsportstrecken" kommt meistens: Silverstone, Brands Hatch.... ähmm.... Donington....ähmm...ja. Der Historiker kennt noch Brooklands, die erste Rennstrecke der Welt, der Biker kennt Cadwell und die IOM und erst derBTCC-Kenner wird früher oder später bei unserer Strecke landen.Bringen wirs auf den Punkt und zitieren wir dabei sinngemäss Paul Swinger, Author eines durchaus lesenswerten Buches über englische Rennstrecken: "Um mehr über die Fähigkeiten eines Rennfahrers herauszufinden, möge man ihn nach Oulton schicken um sein fahrerisches Können zu demonstrieren". So ist es. Punkt.

Wir fahren hier übrigens die wunderschöne Version aus den 60er Jahren. Dies hat primär technische Gründe, dürfte dabei aber die Riege der V8-Piloten erfreuen und bevorteilen. Das ist auch so gewollt, schliesslich erwarten uns in den letzten zwei Saisonrennen bedeutend mehr und engere Kurven. Das lange Layout unterscheidet sich vom heutigen Verlauf in zwei wesentlichen Punkten. Zum einen ist die Strecke viel breiter, zum anderen entfallen die beiden Schikanen "Foulstons" und "Knickerbrook" auf der ellenlangen Hilltop. Die hat man später eingebaut um den immensen Geschwindigkeiten Richtung Druids Einhalt zu gebieten. Also Feuer frei für die alle die Fahrspass über Hubraum definieren und gequältes Staunen für den Rest der Truppe.
Oulton Park ist Station aller grossen englischen Serien wie der BTCC, der Superbikes oder der F3 und das seit Jahrzehnten. Oulton war Station der früheren F2 und der europäischen F5000, aber bekannt wurde dieser Ort im ärmeren Norden Englands, genauer in der Nähe von Chester für ein ganz spezielles Event das es immer noch gibt, allerdings wie in Goddwood nicht mehr als bierernstes Rennen: der Gold Cup. Weil der Kalender der früheren F1 nicht so randvoll wie später wurde, fanden immer wieder Einladungsrennen statt, welche nicht zur offiziellen Wertung gehörten. Dabei wurde auch das eine oder andere ausprobiert und die Veranstalter sahen darin die Chance, die Creme de la Creme verpflichten zu können, denn als offizieller Veranstaltungsort hatte man gegen die bekannte und vor allem viel grössere Konkurenz keine Chance.

So kamen erstmals 1954 Stirling Moss und Konsorten nach Cheshire und unterhielten Tausende Zuschauer vor Ort. Hmmm, irgend etwas war da noch. Genau, genannter begnadeter Fahrer schaffte 1961 etwas einzigartiges. Er gewann auf einem nach F1-Reglement aufgebauten Ferguson P99.

Was? Keine Ahnung? Es war der einzige Sieg eines allradangetriebenen F1-Fahrzeuges.... bis heute. Über 20 solche nicht offiziellen F1-Rennen fanden statt, heute ist der Gold Cup wie besagt eher ein Event für historischen Rennsport, aber es gibt ihn immer noch. Drehen wir noch eine Runde. Wir überqueren die Linie und sehen uns schon Sekunden später mit einer heiklen Stelle konfrontiert "Old Hall Corner". Erinnert entfernt an die erste Kurve in Brands Hatch. Sie ist schwierig, erfordert höchste Präzision. Danach heisst es Vollgas Richtung "Cascades" einer schnellen Links die auf die Gerade am malerischen Oulton Lake Richtung..... stop stop. "Cascades" wäre ja noch die eine Sache, anbremsen, runterschalten, Scheitelpunkt, das übliche halt. Nur ist es so, dass vorher noch "Dentons", ein Rechtsknick zu befahren ist. Beide Kurven für sich, kein Problem, aber in Kombination, mit dem unebenen Fahrbelag UND der Senke..... anspruchsvoll. Wo Bremsen, welche Linie, wie komme ich mit dem schnellen Lastwechsel zurecht. Fragen über Fragen und die Antworten ändern sich....... jede Runde. Also zurück zum Oulton Lake. Sehr schön, nur haben wir dafür keine Zeit. Mit Höchstgeschwindigkeit rasen wir gen "Island Bend" und kurz darauf zur "Shell Oils Corner", eng und überhöht. Dann gehts nahezu Vollgas über die zwei genannten Schikanen hinweg Richtung "Druids" und ehrlich, ich weiss nicht ob ich damals als Zuschauer da aussen gestanden hätte. Einige liessen früher ihr Leben, auch heute noch und der Name "Druids" fällt nicht selten. Die Kurve ist unscheinbar und immer wenn man denkt sie sei fertig..... ist sie immer noch da. "Druids" in einem schwungvollen Zug zu umfahren UND die Geschwindigkeit mitzunehmen ist eine Kunst und wer sie beherrscht, bewältigt "Warwick Bridge" schneller und gelangt auch eher zur letzten Kurve "Lodge Corner". Nun gerechterweise muss ich an dieser Stelle noch anfügen, dass die Kurve in heutiger Fassung die grössere Challenge ist, die breitere Strecke der 60er-Version entschärft dieses Problem etwas. Zurück zur letzten Kurve "Lodge Corner". Auch so ein ekliges Eck. Zu scharf reingeschossen und schon ist der Drift da und den können wir über die Kuppe "Dear leap" nicht brauchen. Zu wenig aggressiv geht nicht, da quetscht sich garantiert einer rein. Man kanns drehen und wenden, hier verliert man Zeit..... oder gewinnt sie. Das ist banal ich weiss, aber ihr werdet sehen was ich meine.