GTLegends and friends

Donington Park National

Langsam lichtet sich der Frühnebel über der weiten, öden Betonfläche. In den Rissen keimt taubenetztes Gras, zwei Rehe weiden im Schatten des verrammelten Boxengebäudes. Im Hintergrund erhebt sich die traurige Silhouette einer schweren Baumaschine, herbeigeschafft um den Kurs für eine Formel 1 umzubauen, die niemals kam. Jetzt dient das rostende Ungetüm einer nach vielen harten Jahren gehörgeschädigten Nachtigall als Behausung. Lautstark krakeelt sie ihr schauriges Lied ins morgendliche Leicestershire - einsam, trübselig, keine Antwort erwartend. Aber was ist das? Ein dumpfes Grollen wird in der Ferne laut und versetzt den Kranarm in Schwingungen. Die Nachtigall stutzt. Sollte es tatsächlich ein stattlicher Artgenosse sein, der da antwortet? Nach all den Jahren? Euphorisch legt sie sich noch stärker ins Zeug und beschallt das Umland mit 120 Dezibel. Die Rehe flüchten. Was für Banausen.

Aber das Grollen wird lauter. Zwei Lichter beginnen sich im Nebel abzuzeichnen, vorne aus einem riesigen viereckigen Kasten leuchtend, der sich schwankend und schnaufend auf den Parkplatz
bewegt. Eines ist mal sicher: das ist eine verdammt hässliche Nachtigall. Enttäuscht flattert unser Protagonist davon... ... und macht Platz für den gewaltigen, weißgoldenen Elbe-Donau Renntruck, der nur der Erste ist in einer ganzen Reihe von Transportern, Teambussen und Motorhomes. Es ist so weit. Die Winterpause der GTL Pro Serie ist vorüber, und hier, in Donington Park, feiert die neue - und vor allem neuartige - Saison ihren Auftakt.

Wummernd und schüttelnd kommt der schwere Diesel zum stehen. Sofort schwärmt eine Horde von Mechanikern aus, holt Strom, baut das Vorzelt auf, bereitet das Entladen vor. Die Fahrer kommen erst am Dienstag - aber es gibt viel zu tun. Denn in dieser Saison reisen die Teams mit bis zu vier Rennwagen an, zwei pro Fahrer und Rennabend. Bis vor kurzem wurde geschraubt, poliert und lackiert. Jetzt stehen die Boliden bereit. Auf Doningtons kurzem National-Kurs werden sich die ersten Rennen entscheiden. Aber wer ist Favorit?

Donington ist eine Power-Strecke. Dementsprechend gut aufgestellt sind Capri und Pantera, wobei besonders letzterer mit fürchterlichem Reifenabrieb zu kämpfen haben wird. Da schlägt die Stunde der Porsches. Viele Kurven sind rein auf Haftung und Traktion ausgelegt, und diese werden die Zuffenhausener Fabrikate auch dann noch haben, wenn ein Pantera bereits die letzten Gummireste von der Karkasse schmirgelt. Die BMW CSL liegen allesamt hervorragend. Etwas performanter ist die Gruppe 5 Version, noch spaßiger zu fahren sind aber die Gruppe 2 Varianten. Letztere leiden jedoch unter hohem Reifenabrieb. Die Corvette lebt nur für die Starkey's Straight. Überholen, breit machen, vorn bleiben - bis zum Reifentod. Das ist die Devise im Chevrolet-Lager. Aus den Reihen der Commodore-Fraktion hört man verhalten Optimistisches. Er liegt und haftet gut, der Opel, und halbwegs reifenschonend ist er auch. Aber dieses unruhige Heck beim Bremsen, und der mittelmäßige Motor? Man ist nervös. Wird der Commo den Sprung ins ehemalige Division-1-Umfeld schaffen?

Schließlich haben wir da noch die Exoten im Feld, die beiden kleinen Tourenwagen Ford Escort und BMW 2002. Arges Gespött mussten ihre Piloten schon beim Testrennen in Hockenheim über sich ergehen lassen. Wir blicken zurück: »Reicht denn der schicke rollbare Generator, um meinen Toaster zu betreiben?«, höhnt Kilian, zwei Pfund Cornflakes aus einem alten, umgedrehten Kolben seiner Corvette mampfend, zu Plüss. Vom Escort-Besitzer erntet er nur finstere Blicke, aber Richter mischt sich sofort begeistert ein. »Um meinen Joystick zu versorgen ist das definitiv zu wenig!«, brüllt er quer über den Platz zurück, während er mit trauriger Miene seine Trainingsslicks beerdigt. »Mit Stromausfällen kenne ich mich aus.« »Nee«, ergreift Hallman das Wort, der die Ansaugtrichter seines Panteras auf Hochglanz wienert. »Der komische Kasten da ist der Toaster. Der brennt doch eh nach zwei Runden.« Zufrieden mit dieser fachkundigen Lösung gehen die drei V8-Piloten wieder ihrer Arbeit nach.

Wie werden sich die Zwei-Liter Rennwagen nach derartigen Schmähungen behaupten? Beste Voraussetzungen hat vor allem der erstaunlich Leistungsstarke BMW. Aber auch von Plüss, bei der Escort-Ehre gepackt, kann man ein wahres ...hmm ... Feuerwerk? ... erwarten.Tatsächlich dürfte der kleine Ford hier eher Schwierigkeiten haben, denn wenn es ihm an einer Sache wirklich mangelt, dann ist es Traktion.

Und die braucht man hier.