GTLegends and friends

Bremgarten

Fangen wir einmal mit einem weit verbreiteten Irrtum an. Bremgarten ist zwar eine Gemeinde in der Aglomeration Berns, aber nicht der Austragungsort des GPs der Schweiz. Der riesige und legendäre Bremgartenwald, den gibt es immer noch (siehe unten) liegt nämlich entgegen seines Namens auf städtischem Gebiet, d.h. Bern wäre der korrekte Name/Ort dieser im Volksmund "Bremer" genannten Strecke. Kleinbürgerlich ich weiss, aber wenn man unmitelbar vor Ort aufgewachsen ist, zollt man solchen Details etwas mehr Beachtung. Die Strecke war zu ihrer Zeit und vielleicht noch heute die schnellste überhaubt, ohne eine wirkliche Gerade zu haben, sehen wir mal von dem Start-/Zielgerädchen ab. Selbiges hiess übrigens, nach einem Stadtteil benannt, "Bethlehem", hier irrt sogar Wikipedia. Eigentlich paradox, wenn man an die für die Schliessung verantwortlichen Gründe denkt, aber dazu später mehr. 7.3 Kilometer lang, 1931 eröffnet wurde sie zuerst nur von Motorrädern befahren. Das die Strecke schnell und gefährlich war bewiesen zahlreiche Unfälle die nicht immer glimpflich abliefen, der mehrfache Europameister Tenni sei erwähnt, nach ihm wurde eine Kurve benannt oder Frigerio. Ja und wenn wir schon bei Kurvennamen sind möchte ich folgende Gegebenheit nicht vorenthalten. Maurice Tritignat ein schneller Franzose, allerdings auf vier Rädern, verunfallte hier 1948 sehr schwer. Eigentlich galt er, so makaber es klingt, schon als tot und flugs wurde auch eine Kurve ihm zu Ehren benannt. Nun Tritignat war ein harter Hund, er legte auch im Cockpit seine Zigaretten nicht zur Seite und nach Wochen im Koma kehrte er ein Jahr später wieder auch die Rennstrecken der Welt zurück. Dem einen oder anderen Anhänger des Film noirs wird der Name natürlich etwas sagen und ja, er war der Onkel des späteren weltbekannten Schauspielers Jean-Louis Trintignant, aber das nur nebenbei.

Bereits 1933 wollte man die Strecke auch Rennwagen zugänglich machen, die Premiere erfolgte aber erst 1934, weil die Strecke nicht rechtzeitig fertig ausgebaut werden konnte. Ich würde meinen das damit eine durchgehend asphaltierte Strecke gemeint war. Laut meinem detaillierten (und schweineteuren) Almanach siegte damals Hans Stuck auf einem Auto-Union Typ A. Er brauchte für die 70 Runden 3h37Min51,6Sek was über 509,6 Kilometer ein Mittel von gut 140 km/h ergab. Die Pole sicherte er sich sogar mit 153 km/h Schnitt. Sein Teamkollege Momberger notierte sich die schnellste Rennrunde und Platz 2. Auch deutscher Sicht machten auch von Brauchitsch (Ausfall 52.Rd. Ölleitung), Prinz Hermann zu Leiningen (Ausfall Rd. 18 Getriebe) und Caracciola mit. Letzterer fuhr aber nur 7 Runden, danach übernahm Hanns Geier. Tja es wäre interessant zu sehen was heutige Piloten mit 3.5 Stunden Renndauer anstellen würden.
Der erste offizielle GP der Schweiz fand 1950 statt. Es war der 4.Juni 1950 bei sehr schönem und warmem Wetter. Neben der F1 wurde auch mit den F2 gefahren, mit den Sportwagen sowie Motorradrennen inkl. der ganzen Rennprominenz. Gäbe es eine Zeitmaschine..... Es siegte Farina vor Fagioli und Rosier. Ascari und Fangio schieden aus, Gonzales war eingeschrieben, startete aber nicht.Also Doppelsieg für Alfa Romeo 158 (8 Zylinder bei 1.5 lt. Hubraum!!) vor einem Talbot T26c. Die Maseratis hatten keinen Stich und die Ferraris schieden unisono aus. Das Rennen führte über 42 Runden und dauerte gut 2 Stunden. Interessant auch das F2-Rennen an dem ein gewisser Hermann Lang teilnahm, er schied wie Stuck aus. Gewonnen hatte Sommer auf Ferrari 166 vor den beiden Gordinis von Trintignant (ja genau der) und seinem Landsmann Mazon.

1954 wurde der GP zum 5. und letzten Mal ausgetragen, es war das letzte internationale Rundstreckenrennen in der Schweiz und Schuld hatten der "Bund evangelischer Jugend"..... jawohl. Nach dem tragischen 80 Menschenleben fordernden Unglück in Le Mans setzte man 1955 aus Pietätsgründen mit dem GP aus. Im Herbst des selben Jahres lancierte oben genannter Verein eine Petition pro Verbot von Rundstreckenrennen in der Schweiz. 1956 wurde die Genehmigung für den GP von der Berner Regierung verweigert, 1957 folgte der Nationalrat und so blieb es bis heute, 56 Jahre später.
Vielleicht sind wir auch deswegen so vernarrt in Bergrennen. Kommen wir zum Schluss. Am letzten Rundstreckenrennen der Schweiz, dem GP 1954 waren insgesamt 1596 Personen beteiligt. Es gab neuerdings sage und schreibe 13 Postentelefone und die kritischen Stellen wurden mittlerweile mit Strohballen gepolstert. Immerhin 83'000 zuschauer waren an den 4 Renntagen an der Strecke, was wohl mehr am schlechten Wetter als den 6 Franken Eintritt geschuldet war. Fangio musste man z.B. 10'000 Franken Startgeld entrichten, der Sieger bekam nur deren 6500 Franken. Dafür bot Fangio auch die schnellste Rennperformance, obwohl er in der Quali noch seinem Landsmann Gonzales um 2/10 den Vortritt lassen musste. 66 Runden ergaben 480,48 Kilometer welche in gut 3 stunden bewältigt einen Schnitt von beeindruckenden 159,7 km/h ergaben.Fangios Benz hatte mittlerweile auch schon 2.5 Liter Hubraum. Hinter Gonzales wurde Hermann Dritter, Stirling Moss, Karl Kling, Trintignant und Hawthorn schieden aus. Interessant übrigens die Differenz der Qualizeiten zwischen der ersten Reihe mit Gonzales, Fangio und Moss gegenüber dem Letzten Jaques Swaters aus Belgien der mit dem 500/625 antratt. Die Differenz betrug genau 40.9 Sekunden, das Rennen schloss der Belgier als 8. mit 8 Runden Rückstand ab.