GTLegends and friends

Chapter Four: Anneau du Rhin

Die Sache war schon seltsam. Johannes Peiter blickte etwas wehmütig zu seinem Golf Gti, der nicht weit entfernt verplombt auf dem Hof des Zollgeländes stand. Mißmutig schlenderte er zurück zum Zollgebäude, wo schon die beiden Rollers warteten. „Na, Wolfgang, wo sind denn eure Wagen? Mein Golf erfüllt wohl eine obskure EU-Richtlinie nicht. `Gemäß EU-Richtlinie 1736irgendwas erfüllt die Dicke der Seitentüren nicht die EU-Norm für Crashsicherheit bei sportlich genutzten Fahrzeugen`. Daher darf mein Hobel nicht in Frankreich rein. Was ist jetzt bei euch?“ Wolfgang grinste ironisch und zitierte:“ Gemäß EU-Richtlinie 08/15 WC oder so entsprechen die Sitze im Alfa nicht den Vorgaben für umweltgerechte Sitzgelegenheiten in mobilen Wohneinheiten aus EU-Ländern! Hätte den Hanf nicht rauchen sollen, sondern Sitzbezüge häkeln sollen.“ Mike pflichtete ihm bei:“ Mein Kadett hat keine ISOfix-Halterung am Käfig. Mein Einwand, dass ich noch nicht mal Rücksitze habe, war offenbar argumentativ auch nicht EU-konform.“ Also standen die drei Racerleague-Recken teilnahmslos am französischen Zoll und überlegten, wer ihnen denn da gerade mit Schwung in die Suppe spuckte.
Marcel Schümmer wachte mit einem markanten Brummschädel auf. Der zehnte Tequila muss wohl doch schlecht gewesen sein. Teufelszeug. Aber einen abgebrühten Ex-Fallschirmjäger kann so was nicht erschüttern. Mühsam drehte er sich auf die Bettkante. „Ich fühle mich heute wie andere Leute ausssehen….!“ krächzte er vor sich hin. Ein Schnurren von der anderen Bettseite ließ ich herumfahren. Katzen? Nein, eine hübsche Brünette. Mann, die war wirklich klasse. Warum zum Teufel konnte er sich an die nicht erinnern? Erste Erinnerungsfetzen drangen in sein Bewußtsein vor. Eine Kneipe in Blitzheim. Er war gefrustet, weil der französische Zoll eine Riesenwelle geschoben hat. Die Hälfte der Fahrer hing noch an der Grenze fest. Seinen Opel Kadett hatte er nur eingeschmuggelt bekommen, weil er den Wagen als landwirtschaftliches Transportmittel deklariert hatte, was ihm die Zöllner nach etwas frischgepflücktem Bargeld auch lächelnd bestätigt hatten. Einige Tequila, und dann war noch was mit einem Interview. Da er an dem Abend weder reden konnte noch wollte, hatte er seinem charmanten Gegenüber eine Alternative angeboten. Nun lag sie hier in seinem Bett. Und er konnte sich partout nicht erinnern, was in der Nacht gelaufen war. Wenn man die zwanzig Lenze überschritten hatte, war echt übel. Schwerfällig stand er auf und wankte ins Bad. In wenigen Stunden startete das erste Rennen, das wollte er auf keinen Fall verpassen - so es denn stattfand.

Bernie Ecclestone saß auf der Terrasse des Alsace Golf-Clubs und nuckelte an seinem 200€-Wein. Eigentlich hatte er allen Grund zu feiern. Mit seinen gezielt eingesetzten EU-Spenden an den richtigen Stellen der französischen Behörden hatte er der Tourenwagen-Truppe der racersleague wohl einen empfindlichen Schlag versetzt. Diese „Gallier“, wie er sie nun nannte, würden feststellen, dass sie ohne seine schützende Hand keine Chance hatten. Beim nächsten „mißglückten“ Rennwochenende würde er ihnen ein Angebot machen, das sie unmöglich ablehnen können. Ach, er liebte den Film „Der Pate“, das entsprach alles so seiner Vorstellung von Demokratie. Nicht das man ihn missverstand. Er schätzte Teamwork. Solange er der Boß war. Seine Mitarbeiter konnten mit allen Ideen zu ihm kommen, er hörte sich alles geduldig an, dann lachten sie gemeinsam darüber und er sagte dann, wie es zu laufen hatte. Diese Art der Kommunikation hatte sich bewährt. Also war alles gut. Fast! Seine Geheimwaffe hatte sich einwickeln lassen, war vielleicht sogar übergelaufen. Frauen! Kein Verlass, sobald Gefühle ins Spiel kamen. Aber er hatte ja noch einen pelzigen Joker in der Hinterhand. Auch wenn Bernie aussah wie ein Hobbit, unterschätzen durfte man ihn nie…..

19 Fahrer standen am Start am Rheinring. Heiko Stritzke griff wieder zum Mikrofon, um alles für die Nachwelt festzuhalten. Polesetter Jochen Richter blickte nervös in den Rückspiegel. Edlbergmeier und Schuster wieder hinter ihm. Berger, Lüdemann und Kilian auch in Sichtweite. Das verprach hart zu werden auf diesem Kurs. Er hatte seinen Kadett zwar optimal abgestimmt, aber was nutzte das schon, wenn das Rennglück wieder nicht mitspielte. Die Ampel erlosch, Jochen trat aufs Gas und ließ die Kupplung gefühlvoll kommen….

Reto Karlein war nassgeschwitzt. Von Startplatz 18 war er ins Rennen gegangen, doch nach einer emotionalen Achterbahnfahrt lag er kurz vor Rennende mit seinem VW Scirocco wieder nur auf Platz 18. Alle Überholmanöver für die Katz. Die Strecke war mit seinem Fronttriebler auch kein Vergnügen. Wäre Robert Kruppert nicht ausgefallen, er wäre sogar noch schlechter gewesen. Obwohl, Letzter, was konnte noch schlechter sein? Reto war, wie der Westfale sagen würde, etwas angepisst. Aber andererseits hatte er ein geiles Rennen gefahren, da war die Plazierung nicht so entscheidend. Driftend rutschte er in die letzte Rechtskurve, bevor die lange Zielgerade vor ihm auftauchte. Seine Reifen waren fertig, der Motor pfiff aus dem letzten Loch, das Getriebe war mittlerweile vom Typ Google (man musste alle Gänge suchen), und die Karosserie ersetzte den Tacho, denn alle 10 km/h klapperte ein Teil mehr. Aber der Volkswagen hatte durchgehalten, alle Achtung. Mit jaulendem Getriebe schob er den Wolfsburger über die Ziellinie. Geschafft. Jetzt schnell zum Wunderschrauber Horst, den Wagen wieder flottmachen. Der alte Mann schraubte mittlerweile an fast allen Wagen hier. Aus gutem Grund.

Fett und feist saß die Katze im Bereich der VIP-Lounge. Irgendwie konzentriert blickte sie auf das Renngeschehen unten auf der Strecke hinab. Horst Witteler dachte, ihm fällt gleich was eiförmiges aus der Hose, als er diese Szene sah. Das Drecksvieh war aber auch überall. „Hier, du Pelzmob, ein eisenhaltiges Leckerli!“ schrie er, bevor sein Schraubenschlüssel mit erstaunlicher Präzision auf die Katze zuflog. Scheppernd prallte das Werkzeug nur Millimeter vor dem Stubentiger auf den Sessel. Fauchend sprang die Katze, besser gesagt, der Kater, wie Horst in der gestreckten Einstellung feststellen durfte, Richtung Tür davon. Horst hetzte hinterher. „Dich bring ich zum Chinesen!“ brüllte er, wutentbrannt aus der Tür stürmend. Das ganze Hickhack mit dem Rennen hier und dem Zolltheater hatte ihn schwer genervt, und irgendwie hatte dieses Tier damit zu tun - im negativen Sinn. Horst sah den Kater aus der Halle laufen, schnaufend sprintete er hinterher. Aus dem Augenwinkel sah er noch, wie der Kater in einen Rolls Royce sprang, der mit laufendem Motor hinter der Halle wartete. „Verdammich, nobel geht die Welt zugrunde. Wenn das Viech schon Rolls fährt, was hat dann der Besitzer? Die Titanic mit Rädern?“ keuchte Horst, als der Rolls Royce mit quietschenden Reifen davonfuhr.

Peter Kilian betrachtete mitleidig seinen Alfa Romeo GTAm. Der kleine Italiener hatte im ersten rennen ganz schön leiden müssen. Platz 13, immerhin. Vorne hatte Edelbergmeier das Ding wieder geschaukelt, vor Schuster und Richter. Jetzt im zweiten Rennen stand Schuster vorn. Peter schlenderte zu seinem zweiten Einsatzwagen, einem Nissan Skyline GTR. Ein letzter Check, einsteigen, Motor starten. Das satte Brummeln fühlte sich gut an, beruhigend. Die Japaner konnten also mehr als Sushi und Sony. Langsam rollte er zum Start. Auf ein Neues. Diesmal von Platz 14 aus. Start frei, Peter gab dem Sapporo-Bomber die Sporen, und war gleich Zehnter nach der ersten Runde. Peter hatte alle Hände voll zu tun. Der Bonsai-Benz aus Japan wollte gezügelt werden wie ein junges Pferd. Dazu drängte plötzlich Dete Preisig im Rückspiegel. Wenig später zog Dete vorbei, das folgende Rennen war für Peter recht ereignislos. Ein Hörbuch wäre nicht schlecht, irgendwas von Hera Lind oder so. Ein Bier und eine Knifte mit dick Wurst, auch nicht übel. Vielleicht beim nächsten Rennen. Plötzlich, kurz vor rennende, signalisierte seine Boxencrew Rang 9, offenbar war Dete rausgeflogen oder in der Box gewesen. Das war doch mal fein, in die Top Ten, darauf gabs einen Sake heute Nacht.

Mit einem tierischen Muskelkater in der Lendengegend wachte sie auf. Was war passiert? Sie wollte einen Fahrer interviewen, hatte sich als Michelle oder so ausgegeben. Eigentlich war der Plan, den Marcel um den Finger zu wickeln und matt zu setzen. Aber irgendwie…war es anders gelaufen. Tequila. Noch so was buntes Süßes dabei. Dann war sie mitgegangen. In sein Hotel in Blitzheim. Danach? Filmriß. Ihrem Körper nach hatte sie aber nicht viel geschlafen, sondern sich extrem viel bewegt. Und der smarte Typ war weg, und fuhr wohl sein Rennen. Bernie würde toben! Aber im Grunde war ihr das im Moment mehr als egal. Das Handyklingeln würde sich nicht mal mehr ignorieren. Erst mal wach werden. Was immer diese Nacht passiert war, es war anstrengend gewesen, und sie w

Wie geht es weiter? Wird unsere schöne Unbekannte zur Überläuferin? Was ist das für ein Faden zwischen Marcels Zähnen? Wird Bernie sein Ziel erreichen? Bietet Schweden die Chance zur Revanche? Warum ist beim Billy-Regal von Ikea der Imbusschlüssel so wichtig? Bleiben Sie dran, in Gellerasen, Schweden.